Frauen hinter den Kulissen der Rockszene – Laut auf der Bühne und leise im Hintergrund?
Wenn man über die Rockszene spricht, denkt man zuerst an Bands, Sänger, Gitarren und große Shows. Was dabei oft vergessen wird: Hinter jedem Konzert und jeder Tour stehen Menschen, die dafür sorgen, dass überhaupt alles läuft. Und genau dort, hinter der Bühne, sind Frauen bis heute viel zu selten zu sehen. Ob als Security, Stagemanagerin, Produzentin oder in der Bandbetreuung. Sie sind da, aber oft kaum sichtbar.
Arbeiten in einer echten Männerdomäne
Frauen, die in diesen Jobs arbeiten, merken schnell, dass sie sich in einer klaren Männerwelt bewegen. Gerade bei Security oder im Stage-Management müssen sie sich oft doppelt beweisen. Belastbarkeit, Stressfestigkeit oder Durchsetzungsvermögen werden ihnen nicht automatisch zugetraut. Dinge, die man bei männlichen Kollegen meist einfach voraussetzt. Aussagen wie: „Du bist die Security?“ oder „Kannst du nicht mal einen Kollegen holen?“ gehören für viele leider zum Alltag. Nicht, weil sie ihren Job nicht können, sondern weil viele immer noch überrascht sind, wenn eine Frau Verantwortung übernimmt.
Mehr Einsatz für die gleiche Anerkennung
Viele Frauen erzählen, dass sie mehr leisten müssen, um ernst genommen zu werden. Fehler bleiben länger im Gedächtnis, gute Arbeit wird schneller als selbstverständlich abgetan. Vor allem in leitenden Positionen, etwa in der Produktionsleitung oder Bandbetreuung, ist das spürbar. Trifft eine Frau klare Entscheidungen und sagt, wo es langgeht, gilt sie schnell als streng oder schwierig. Bei Männern nennt man genau das Führungsstärke. Dabei sind es oft genau diese Frauen, die den Laden zusammenhalten. Sie retten Zeitpläne, lösen Probleme, behalten im Chaos den Überblick und sorgen dafür, dass Bands sich auf das konzentrieren können, was zählt: ihre Musik.
Warum Frauen in diesen Bereichen fehlen
Ein großes Problem ist der Mangel an Vorbildern. Viele junge Frauen kommen gar nicht auf die Idee, solche Jobs zu machen, weil sie kaum Frauen in diesen Positionen sehen. Dazu kommen alte Strukturen, feste Gemeinschaften und ein rauer Umgangston, der nicht gerade einladend wirkt. Auch die Arbeitsbedingungen spielen eine Rolle: lange Nächte, körperliche Arbeit, ständig unterwegs sein. Das betrifft zwar alle, wird Frauen aber oft stärker angelastet oder mit zusätzlichen Erwartungen verbunden.
Fakt ist: Ohne Frauen hinter den Kulissen würde vieles in der Szene nicht funktionieren. Sie koordinieren Abläufe, schlichten Konflikte, halten Technik, Bands und Veranstalter zusammen und sind meist die Ersten am Gelände und die Letzten, die gehen. Ihre Arbeit ist genauso hart, wichtig und professionell wie die ihrer männlichen Kollegen, bekommt aber noch immer zu wenig Anerkennung.
Zeit, umzudenken
Die Rockszene steht für Zusammenhalt, Leidenschaft und Vielfalt. Werte, die nichts mit dem Geschlecht zu tun haben. Es braucht mehr Sichtbarkeit für Frauen in technischen, organisatorischen und sicherheitsrelevanten Jobs. Mehr Vertrauen, mehr Chancen und vor allem mehr Selbstverständlichkeit. Nicht als „Frauen im Backstage“, sondern einfach als Menschen, die ihren Job können.
Frauen hinter den Kulissen sind keine Ausnahme, sie sind ein fester und wichtiger Teil der Szene. Dass sie sich immer noch in einer klaren Männerwelt behaupten müssen, zeigt, wie viel Nachholbedarf es gibt. Mehr Frauen in diesen Bereichen wären kein Problem, sondern eine echte Bereicherung.
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