Abseits der Bühne: Wie Künstler mit Ruhm und Rampenlicht leben – Teil 1
Was macht dieser ganze Ruhm eigentlich mit unseren Künstlern? Dieses Rampenlicht, die Aufmerksamkeit, das ständige Gesehen-werden, verändert das einen Menschen? Wie gehen Musiker im ganz normalen Alltag mit Fanbegegnungen um? Wird man dauernd erkannt? Quillt das Postfach über? Und was passiert eigentlich, wenn die Bühne dunkel ist und man einfach nur einkaufen will?
Genau das haben wir uns gefragt. Nicht aus Neugier nach Glanz und Glamour, sondern weil das Thema spannender ist, als viele denken. Also haben wir nachgehakt. Wir haben uns Künstler aus der Szene zur Brust genommen und sie ganz offen dazu befragt: bassspielende Influencer, Allround-Talente, die nicht nur Bühnen abreißen, sondern auch für andere Bands produzieren, Sänger und Gitarristen. Kurzum, Leute, die wissen, wie sich Applaus anfühlt, aber auch, wie schnell er wieder verstummt. Wir haben sie ausgequetscht, authentisch und ohne PR-Fassade. Die verschiedenen Meinungen gibt es jetzt.
Erkannt werden – ein gutes Gefühl, aber kein Lebensinhalt

Einer der Künstler ist Tommy Lee Depp, Bassist der Band JEANLUC und selbstständiger Content Creator im E-Bass Bereich auf Social Media. Er bringt es ziemlich klar auf den Punkt.
VRR: Tommy, beschreibe uns doch einmal, wie das ist, wenn dich die Leute ansprechen oder ein Autogramm wollen. Was ist das für ein Gefühl erkannt oder angesprochen zu werden? Hat das Musikerleben Auswirkungen auf dein Privatleben?
Tommy: Ich stehe seit Jahren in der Öffentlichkeit, wenn man so will. Es war immer ein gutes Gefühl, wenn man irgendwo erkannt wird. Bei mir kommt es vor allem auf musikalischen Veranstaltungen vor, zuletzt auf einer Messe. Die Hater würden einen nie ansprechen, sondern immer nur wohlwollende Leute. Das sind die netten Gespräche und man fühlt sich für den Moment ganz gut. Ähnlich mit den Autogrammen nach Auftritten, man freut sich in dem Moment, aber das geilt einen jetzt nicht wochenlang auf. Hat bei mir also keine Auswirkungen auf das Privatleben, um ehrlich zu sein. Und für ein Selfie mit mir musst du bezahlen! (lacht)
Zwischen ausverkauft und geerdet

Auch Frontmann Hansi von JEANLUC haben wir zudem Thema befragt und er antwortete wie folgt:
VRR: Hansi, als Frontmann und Gesicht der Band: Wie nimmst du die wachsende Aufmerksamkeit rund um JEANLUC wahr? Und wie erlebst du den ganzen Ruhm und das Rampenlicht?
Hansi: Von Ruhm und Rampenlicht sind wir mit JEANLUC nach wie vor weit entfernt. Auch wenn wir die große Ehre hatten, mit zwei echten Größen der Szene auf Tour zu sein oder unsere eigenen Events in Köln meist sold out sind, bedeutet das noch lange nicht, dass man sich plötzlich auf Augenhöhe oder gar auf einem Podest mit ihnen wiederfindet. Im Gegenteil: Solche Erfahrungen erden einen eher, als dass sie einen abheben lassen. Ein gewisses Maß an Selbstreflexion gehört einfach dazu. Gleichzeitig muss ich aber ehrlich sagen, dass durch meine privaten Besuche auf vielen Konzerten und Events sowie durch die Nähe zum Publikum natürlich Momente entstehen, in denen man wahrgenommen wird.
VRR: Was bedeuten dir solche Begegnungen mit Fans, wenn jemand ein Foto oder ein Autogramm möchte?
Hansi: Es kommt hin und wieder vor, dass Menschen ein Selfie machen möchten oder um ein Autogramm bitten. Das sind Augenblicke, die mich sehr stolz machen und mir zeigen, dass unsere Musik für den ein oder anderen da draußen mehr bedeutet, als mir selbst bewusst ist.
VRR: Welche Auswirkungen hat das auf dein Privatleben?
Hansi: Auf mein Privatleben hat das Ganze allerdings kaum Auswirkungen. Abgesehen von Fanpost, die ab und zu im Briefkasten landet, bleibt mein Alltag derselbe. Kein Rampenlicht oder Starleben im Hause Hansi. Vielleicht sollte ich das mal zu Hause ansprechen. So ein Selfie beim Kochen oder Autogramme geben beim Wäsche holen wäre doch mal was.
Dankbarkeit statt Distanz

Bei dem Punkrock Gitarristen Ändi von der Band 33RPM haben wir mit der Frage genau ins Schwarze getroffen. Denn auch er selbst hat sich mit dem Thema schon mal auseinandergesetzt.
VRR: Du hast dich mit dem Thema schon intensiv beschäftigt: Wie sieht der Alltag als Musiker jenseits der Bühne wirklich aus?
Ändi: Ich fand eure Fragen richtig gut. Sie zeigen einen Blickwinkel, über den ich mir selbst als Künstler immer wieder Gedanken mache: Wie sehen mich eigentlich die Leute, die mir gegenüberstehen? Mir fällt schon auf, dass man manchmal ganz anders wahrgenommen wird, als man selbst ist. Genau deshalb habe ich darüber nachgedacht. Mir ist dabei wichtig, ehrlich zu sein, ohne dass es undankbar klingt, denn das Gegenteil ist der Fall. Ich bin nach wie vor extrem dankbar, dass Menschen zu Konzerten kommen, sich das anhören, was wir da auf der Bühne machen, ein Foto wollen, ein Shirt kaufen oder ein Autogramm möchten. Das ist alles andere als selbstverständlich und diese Dankbarkeit steht für mich ganz oben.
VRR: Viele stellen sich das Tour Leben wie einen Dauerurlaub vor. Wie sieht die Realität für dich aus?
Ändi: Das stimmt, viele stellen sich das Tour Leben wie einen Dauerurlaub vor, aber in Wahrheit sieht man von den Städten oft nicht viel. Man ist früh an der Venue, bereitet sich vor, spielt, ist danach für die Leute da und fährt wieder los. Trotzdem ist es jedes Mal schön zu sehen, dass Menschen kommen und sich freuen, das bleibt eine Bestätigung.
VRR: Was passiert, wenn dich Menschen abseits von Konzerten erkennen oder ansprechen?
Ändi: Im Alltag erkannt zu werden ist meistens entspannt und eher selten. Ich bin ja nicht Robbie Williams. Oft sind die Leute sich gar nicht sicher und sprechen einen nicht an. Und ehrlich gesagt, meist will ich privat einfach nur Andi sein. Was aber auch völlig okay ist, wenn es mal anders läuft. Ist mir schon im Italienurlaub passiert oder unlängst hier im REWE-Markt. Es war aber nie unangenehm. Was man oft unterschätzt: Dieses Musikerleben hat auch Auswirkungen auf das Umfeld. Nach Konzerten stehen Fans am Merch, die Aufmerksamkeit ist natürlich auf die Band gerichtet. Für Begleitungen, Partnerin fühlt sich das manchmal komisch an, wenn sie sich wie Luft behandelt fühlt, auch wenn es nie böse gemeint ist. Da hilft nur Kommunikation und Verständnis auf allen Seiten. Es ist aber nicht einfach und ich habe schon die ein oder andere Beziehungskrise wegen einer Markierung oder einem Like durchlebt. Manchmal denke ich mir schon, wie das wohl für ganz große Acts ist, die monatelang unterwegs sind. Ich merke selbst, wie gut es tut, nach ein paar Tagen wieder im normalen Leben anzukommen. Am Ende sind wir nämlich alle ziemlich gleich: Die einen stehen auf der Bühne mit einem Instrument, die anderen davor mit einem Bier.
Am Ende auf Augenhöhe

Der erste Teil von Abseits der Bühne: Wie Künstler mit Ruhm und Rampenlicht leben ist im Kasten. Wir haben Einblicke bekommen in ein Leben, das von außen oft glänzt, von innen jedoch weit mehr Facetten hat, als man auf den ersten Blick vermutet. Ein Gedanke zog sich dabei immer wieder wie ein roter Faden durch alle Gespräche: Dankbarkeit. Dankbarkeit gegenüber den Menschen, die diesen Weg möglich machen. Gegenüber Chancen, die nicht selbstverständlich sind. Doch diese Stimmen allein haben uns nicht gereicht. Zu unterschiedlich sind die Erfahrungen, zu vielschichtig ist der Umgang mit Bekanntheit. Deshalb haben wir weitere Personen zu Wort kommen lassen, ihre Meinungen eingefangen und nachgehakt: Das Leben im Rampenlicht ist kein einheitliches Bild ist, sondern ein Mosaik aus Erfahrungen, Emotionen und ganz individuellen Wahrheiten und Erlebnissen. Genau hier setzt Teil 2 an.
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Redaktion
Schon als kleiner Stöpsel bin ich mit deutscher Rockmusik groß geworden. Die Böhsen Onkelz waren selbst in der fünften Klasse schon Pflichtprogramm. Eine kurze Abschweifung in ein anderes Genre hat mich trotzdem wieder sehr schnell auf die richtige Bahn gebracht.
Kurze Zeit später fanden auch Musikrichtungen wie Punkrock, Metal oder Alternativrock ihren Weg zu mir. Ich bin offen für Neues aber meiner Linie werde ich auf ewig treu bleiben.






