Harte Hunde mit ICOYN – kontrollierter Wahnsinn
Willkommen, zu gepflegt kontrolliertem Wahnsinn mit I CUT OUT YOUR NAME oder kurz ICOYN. Willkommen zu Scream-Hardcore-Metal mit Oldschool Punklyriks und Rap Attacken. Im Jahr 2012 im Herzen des Dreiländerecks, (D–CH–F) geboren, zertrümmert die Band aus Rheinfelden, genreübergreifend die Metalszene.
Kreative Pause beendet

Knapp neun Monate nach der EP HEIMWEH NACH DER TRAURIGKEIT im März 2016, erschien bereits die zweite EP THYMOS. Ein bis zwei Singles und Remixes später und mehr als 300 absolvierten Auftritten mit Größen wie Madball, Terror, First Blood, Agnostic Front und Ignite, wurde es nach dem 2024er Debütalbum TESTAMENT DER DEKADENZ und dem Auftritt auf dem Metalacker Festival im selben Jahr etwas ruhiger um die Band. ICOYN ging in eine kreative Pause. Die scheint fast vorbei zu sein, wie uns von Bandseite verraten wurde. Das Sextett bastelt momentan an neuem Material, dass wirklich knallen muss. Denn das Debüt TESTAMENT DER DEKADENZ beinhaltet fette 18 Tracks, bei dem kaum einer dem anderen gleicht. Das gilt es zu überbieten.
Jeder bekommt sein Fett weg

Mehrere kurze und exakt gesetzte Skits sorgen neben den Tracks für ordentlich Einstimmung und Abwechslung. Allein die Titel lassen erahnen, dass ICOYN nicht unbedingt zum gepflegten Sonntagskaffee angetreten ist. „Leben macht müde“, „Geil“, „Gönn Dir“, „Toxisch“ und „Fickmaschinenstadt“ sind da nur einige Stationen auf der musikalischen Rundreise. Wichtig dabei für den Hörer, er muss die Tracks konsequent durchhören. Erst dann ergibt alles einen Sinn. Wir selbst ertappen uns einige Male beim Hören dabei, wie wir bei einigen Sequenzen an The Butcher Sisters denken müssen. Also die, die sie einmal waren. Obendrauf unternimmt die Band regelmäßig Abstecher in den Death- und Grindcore Abteilung und behält dabei den Takt mit klassischen Hardcore Hooks und ab und zu einer Prise sentimentalem Gesang, der bei „Emoboy“ seinen sarkastischen Höhepunkt erreicht.

Grundsätzlich bekommt inhaltlich so ziemlich alles sein Fett weg, was sich im Alltag an Absurditäten angesammelt hat. Konsumwahn, soziale Netzwerke, politische Verblendung, Verschwörungsgeschwurbel und toxische Männlichkeit liefern genügend Munition. Mal wird der ganz normale Wahnsinn seziert, mal gibt es einen satirischen Tritt vors Schienbein. Dabei ist nicht jeder Seitenhieb subtil. Muss er vermutlich auch nicht sein. Wer bei Songtiteln wie „Ordensritter“ oder „MK ULTRA“ glattgebügelte Wohlfühllyrik erwartet, hat sich ohnehin in der Tür geirrt. Besonders hervorzuheben ist der Track „Testament“. Dieser fesselt nicht mit Musik, sondern mit Zitaten. Hier bekommen selbst die Hartgesottensten eine Gänsehaut und beginnen über das ein und andere nachzudenken.
Szenegrenzen überschreiten

Musikalisch bewegt sich ICOYN in einem Feld, in dem die Grenzen zwischen Hardcore, Metal, Punk und Rap ordentlich durchlässig sind. Die Band setzt nicht darauf, sich in einer einzigen Schublade einzurichten, sondern nutzt die unterschiedlichen Einflüsse für ihren eigenen Mix. Mal steht die Härte im Vordergrund, mal der Groove, mal die melodische Seite. Gerade diese Offenheit wird nicht gespielt, sondern ist Bestandteil eines jeden Tracks. Dass es dabei textlich auch derb und provokant zugeht, ist Teil der Sache. Hinter dem rustikalen Auftreten steckt allerdings mehr als der Versuch, möglichst laut gegen irgendetwas zu schimpfen. ICOYN nimmt die Widersprüche unserer Zeit aufs Korn und trifft dabei durchaus Themen, über die man sich länger als drei Minuten Gedanken machen kann. Dass der Humor nicht immer fein geschliffen daherkommt, gehört zum Gesamtbild.
Fazit

I Cut Out Your Name ist eine Band für alle, die Hardcore und Metal nicht mit Scheuklappen hören. Der Mix ist eigenwillig, die Texte sind unbequem und der Humor fällt bisweilen eher mit der Tür ins Haus, als den Schlüssel leise zu drehen. Nicht jede Provokation braucht einen philosophischen Unterbau, aber bei ICOYN lohnt es sich, hinter die raue Fassade zu schauen. Für uns gehört die Truppe aus Rheinfelden damit auf den Einkaufszettel, wenn es um deutschen Crossover mit eigener Handschrift geht. Kein Hochglanzprodukt für die musikalische Komfortzone, sondern eine Band, die sich ihren Platz selbst erarbeitet hat.
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Crew | Redakteur
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.
Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.





