Existent – das nächste Kapitel
Existent hat in den vergangenen Jahren eine großartige Entwicklung hingelegt. Mit STILLER HELD erreichte die Band 2023 schließlich Platz 37 der deutschen Albumcharts. Stillstand scheint für die Jungs von Existent keine Option zu sein. Beim HicksRockFestival ließ die Band die Bombe platzen und kündigte ein neues Album für 2027 an. Grund genug für uns, genauer nachzufragen. Wir haben mit Marcel über neue Songs und die Zukunft von Existent gesprochen.
VRR: Existent hat mit STARTSCHUSS angefangen, sich mit KARTENHAUS weiterentwickelt und mit STILLER HELD schließlich Platz 37 der deutschen Albumcharts erreicht. Nach drei sehr unterschiedlichen Stationen steht nun das nächste Kapitel vor der Tür. Ihr habt beim HicksRockFestival ein neues Album angekündigt, was könnt ihr uns darüber bereits verraten?
Marcel: Wie du schon sagst, war bisher jedes Album bzw. jede EP eine unterschiedliche Station für uns. Wir haben die Band als Schulfreunde gestartet und über die Jahre hat sich unser musikalischer Anspruch fortlaufend verändert. Eigentlich wollten wir direkt nach STILLER HELD 2023 mit dem Songwriting für das nachfolgende Album starten. Dann haben sich aber glücklicherweise die Support-Tourneen mit J.B.O. und WILLKUER, sowie unsere erste eigene Headliner-Tour ergeben, die in Kombination mit unseren Berufen eigentlich die komplette Zeit verschlungen hatten. Zudem mussten wir ein bisschen neu würfeln, wie wir überhaupt auf der neuen Platte klingen wollen und wie wir am besten Songs schreiben können. Mittlerweile haben wir dafür einen guten Weg gefunden und etwa zehn Demos am Start, die darauf warten, mit unserem Produzenten noch einmal weiter ausgearbeitet zu werden. Fakt ist, wir wollen dieses Jahr noch neue Musik in Form von Singles veröffentlichen. Das Timing hängt aber natürlich auch immer etwas davon ab, wie wir unser Setup hinter den Kulissen aufstellen. Arbeiten wir mit einem Label zusammen? Welche Partner holen wir uns mit ins Boot oder machen wir alles komplett auf eigene Faust? Das sind alles noch unbeantwortete Fragen, die wir erst so richtig angehen können, sobald wir unseren Demos den Feinschliff verpasst haben und sie potenziellen Partnern präsentieren können.
Mehr Metal, Punk bleibt
VRR: STILLER HELD ist inzwischen drei Jahre alt und hat für euch einen wichtigen Meilenstein dargestellt. Seitdem ist wieder einiges passiert. In welche Richtung entwickelt sich Existent auf dem neuen Album?
Marcel: Die Richtung des neuen Albums wird sicherlich an STILLER HELD anknüpfen, jedoch wie immer auch einige Veränderungen mit sich bringen. Einige Songs dürften durchaus mehr Metal-Elemente enthalten, andere kommen mit etwas mehr Punk-Attitüde um die Ecke. Allgemein haben wir aber auch gemerkt, dass uns die Mischung aus härteren Metal-Riffs und eher punkigen Chorus-Melodien am besten steht und am meisten Bock macht, zu zocken.
VRR: Existent greift immer wieder gesellschaftliche und politische Themen auf, gleichzeitig finden sich auf euren Platten auch sehr persönliche Geschichten. Gibt es auf dem neuen Album einen roten Faden oder ist es eher eine Sammlung dessen geworden, was euch in den vergangenen Jahren beschäftigt hat?
Marcel: In den letzten drei Jahren ist bei jedem von uns viel passiert. Natürlich formen einige Lebenssituationen und Erlebnisse Songs, die nun auf der neuen Platte erscheinen werden. Oft entwickeln sich die Themen aber auch erst beim Einspielen der ersten Riffs und Melodien. Da wissen wir vorab teils noch gar nicht, in welche Richtung sich das Thema bewegt. Man muss es sich so vorstellen, dass meistens Sille mit instrumentalen Song-Ideen um die Ecke kommt und wir uns dann oft auch zu zweit einfach in unseren Proberaum setzen und am Arrangement arbeiten. Währenddessen kommen mir meistens Textbausteine und eine Gesangs-Melodie in den Sinn, die dann fortlaufend Form annehmen. Man kann es sich ein bisschen wie eine Wundertüte vorstellen, die je nach Tagesstimmung unterschiedliche Emotionen ausspuckt. Entsprechend braucht niemand Angst vor einem Konzeptalbum zu haben, auf dem wir lediglich ein einziges Thema besingen. Am Ende wird es sicherlich ein Mix aus dunklen Gefühlen, Demut, Feierlaune sowie politischen und gesellschaftlichen Themen.

VRR: STILLER HELD landete auf Platz 37 der deutschen Album-Charts, für eine Band wie euch ist das sicherlich ein besonderer Moment. Verändert so ein Erfolg die eigene Erwartungshaltung an das nächste Album oder versucht ihr, diesen Gedanken beim Songwriting komplett auszublenden?
Marcel: Die Chartplatzierung bleibt für uns auf jeden Fall ein Meilenstein, den wir so auch nicht erwartet hätten. Dennoch fehlen uns noch 36 Plätze nach oben, um uns wirklich etwas auf diese Platzierung einzubilden. Aber im Ernst, die Charts haben sicherlich nicht nur in unseren Augen über die Jahre massiv an Bedeutung verloren. Hinzu kommt, dass Albumverkäufe auch nicht automatisch für die Chartwertung gezählt werden. Man muss vorab mit einem verifizierten Partner die Verkäufe an die GfK übermitteln, wobei natürlich immer einiges an Kohle auf der Strecke bleibt. Am Ende will jeder ein Stück vom Kuchen abhaben. Entsprechend spielen wir auch mit dem Gedanken, das nächste Album ausschließlich über unseren eigenen Shop zu vertreiben, keinen Label-Deal abzuschließen und dafür Boxsets und andere physische Produkte nach unseren Wünschen anzubieten, die unseren Supportern und Fans einen angemessenen Preis ermöglichen.
VRR: Ihr hab nie davor zurückgeschreckt, unangenehme Themen anzusprechen und Dinge klar beim Namen zu nennen. Gibt es auf dem neuen Album ein Thema, bei dem ihr bewusst sagt, darüber müssen wir jetzt sprechen?
Marcel: Absolut! Ich will noch nicht zu viel verraten, aber wie du schon sagst, ist in den letzten Jahren viel passiert, worüber es sich lohnt, in den Songs zu sprechen. Wobei man sagen muss, dass unangenehm sehr subjektiv zu sein scheint. Wie wir fortlaufend feststellen, scheint es ja schon für einige Leute eine riesige Empörung darzustellen, wenn wir auf der Bühne einen Anti-Nazi-Song spielen und dazu eine FCK-NZS-Flagge schwenken. Dabei halte ich das keineswegs für einen plausiblen Grund zur Echauffierung. Vielmehr sehe ich das als das Minimum des gesunden Menschenverstands an, sofern man sich mit der Geschichte auseinandergesetzt hat. Wenn in diesem Fall unsere Haltung schon als unangenehm aufzufassen ist, darf ich versichern, dass auf unsere Wundertüte Verlass ist.
VRR: Euer musikalischer Weg hat euch immer weiter in Richtung härterer Gitarren und Metal-Einflüsse geführt. Dürfen sich die Fans auf das bisher härteste Existent-Album freuen oder überrascht ihr uns diesmal vielleicht in eine ganz andere Richtung?
Marcel: Das neue Album wird in Summe definitiv ein Stück härter als die vorherigen. Eine für mich persönlich sehr wichtige Akustiknummer wird allerdings ebenfalls den Weg aufs Album schaffen.

Was kommt, wird sich zeigen
VRR: Mit der Ankündigung des neuen Albums habt ihr bei den Fans natürlich direkt die Neugier geweckt. Könnt ihr schon ein bisschen konkreter werden und sagen, in welchem Zeitraum wir nächstes Jahr damit rechnen dürfen?
Marcel: Leider können wir hier noch kein konkretes Zeitfenster nennen. Die bereits erwähnten strukturellen Entscheidungen hinsichtlich der Art und Weise der Veröffentlichung sind einfach noch nicht geklärt. Davon steht und fällt letztendlich auch das Timing des gesamten Releases.
VRR: Auf der Bühne strahlt ihr eine unfassbare Energie aus. Was wünscht ihr euch als Band für die Zukunft bezüglich Auftritten, Reichweite und allem, was dazugehört?
Marcel: Lieben Dank, das freut uns wirklich sehr zu hören. Wir haben einfach Bock auf der Bühne und es macht jedes Mal unfassbar viel Spaß. Ganz egal, ob wir vor 20 oder 2.000 Leuten spielen. Viel wichtiger ist für uns, dass wir alle weiterhin aus dem gleichen Grund zusammenkommen und uns gegenseitig, also Band und Zuschauer eine gute Zeit bescheren. Wir wollen, dass die Emotionen im Vordergrund stehen. Darum freuen wir uns darauf, in den nächsten Jahren von der Bühne aus in glückliche Gesichter zu schauen, am Merchstand mit Menschen über dies und das zu quatschen und einfach weiterhin Musik machen zu können, die uns unfassbar viel gibt.
Wir danken Marcel für das Interview und sind gespannt, was uns in den kommenden Monaten alles erwarten wird.
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Crew | Redaktion
Schon als kleiner Stöpsel bin ich mit deutscher Rockmusik groß geworden. Die Böhsen Onkelz waren selbst in der fünften Klasse schon Pflichtprogramm. Eine kurze Abschweifung in ein anderes Genre hat mich trotzdem wieder sehr schnell auf die richtige Bahn gebracht.
Kurze Zeit später fanden auch Musikrichtungen wie Punkrock, Metal oder Alternativrock ihren Weg zu mir. Ich bin offen für Neues aber meiner Linie werde ich auf ewig treu bleiben.







