Video-Check Juni 2026

Im Juni hat es mal richtig geklatscht mit neuen Videos. Und zwar so dermaßen, dass wir euch lediglich unsere Top Sieben mit Everlast, Voltwechsel, Madball, KrawallBrüder, Betontod, Tom Morello und Artefuckt ausführlich um die Hirnlappen fetzen können.

Everlast – Losing Man´s Game

Erik Francis Shody präsentiert sich als Everlast in „Losing Man´s Game“ stilvoll gereift. In Zusammenarbeit mit Regisseur Ryen McPherson entstand ein surreales Musikvideo, dass es verdient, prämiert zu werden. Eine Ballade über eine zerstörerische Liebe und dem vergeblichen Versuch, daran festzuhalten. Was am Ende bleibt, ist nur der Schmerz, an dieser Beziehung zu zerbrechen. Was passt da visuell besser, als ein Gemetzel, welches so wunderschön ist, dass selbst Quentin Tarantino neidisch wird. Sein neues Studioalbum EMBERS TO ASHES erscheint am 28. August 2026.

Madball – Tethered

Es ist die zweite Auskopplung vom kommenden Album NOT YOUR KINGDOM. Im Gegensatz zur ersten Veröffentlichung „Rebel Kids“, setzt „Tethered“ musikalisch den Fokus deutlich stärker auf klassischen Madball Hardcore, statt auf Hazen Street Vibes. Mastermind Freddy Cricien deutete bereits in einem Interview an, dass am lang ersehnten neuen Album viel ausprobiert wurde. Das Bildmaterial hält das, was die Band schon immer war und bleiben wird. Keine großen Hollywood-Dramen, sondern Szenenwechsel zwischen Bühne, Band, New York und Hinterhof. Schwarz-weiß und bunt, viel DMS-Crew, Fans, Grafitti und Nachbarschaft. Genau das, was wir von Madball brauchen.

KrawallBrüder – Ich will dass Du mich willst

Natürlich starten die KrawallBrüder mit einem Gitarren-Intro. Aber ups, da wurde sich mit der Länge deutlich zurückgehalten. Fein gemacht. Und es wird noch besser und mutiger. Der Track wirkt aufgeräumter und strukturierter als das, was einmal war. Den Stempel der Brüder bekommt das Teil definitiv, denn Pascals Stimme ist unverkennbar. Viel erkennbarer ist jedoch seine Lyrik. Fast schon tritt die Hoffnung ein, dass man für 1993 kein Booklet braucht, um textsicher zu werden. Flo, Thomas und Swen drücken ordentlich ihre Instrumente durch und zeigen mit den aufreizend dargestellten Damen, schauspielerisches Talent. Wenn es da mal keine Bekundungen gegen das Patriarchat gibt. Wir finden das klasse. Es tut gut, mal wieder ein Musikvideo zu erleben, das nicht vom gesellschaftlichen Dauergejammer der Marke „Mimmimi-alles ist Scheiße in diesem Land und mein Leben auf diesem Planeten mit den anderen Menschen, die nicht meiner Meinung sind, ist kacke und alle sind böse“ geprägt ist. Feuer frei für „Ich will dass Du mich willst.“

Betontod – All die schönen Menschen

Ganz genau das Gegenteil strebt Betontod mit ihrem Video an. „‚All die schönen Menschen“ zerlegt textlich gnadenlos jene, die den Brand legen, aber nie in den Flammen stehen. Chaos hinterlassen, aber nie selbst durch die Ruinen laufen müssen. Kriege anzetteln und sich aus dem Staub machen, sobald die Welt in Trümmern liegt. In den Bildern unterscheidet sich Betontod deutlich von den Vorgängern und den Nachfolgern. Die Band aus NRW setzt durchgängig auf großflächige Grau-Blau Comic-Sequenzen, die durch starke Farbakzente die Wirkung des Textes heftigst unterstützen. Musikalisch brauchen wir uns nicht zu unterhalten. Alles tipptopp.

Voltwechsel – Nie mehr halbe Wege

Wir bleiben im Deutschsprachigen und geben zu, dass einige Redakteure bei VRR Voltwechsel unterschätzt haben. Vergleiche zu anderen Bands zu ziehen, macht nur Sinn, wenn auch deutlich erkennbar ist, dass Individualität und Authentizität vorhanden sind. Wie in diesem Fall. Die neu formierte Band aus Graz kann gerne als ein noch kleines Pendant zu April Art gewertet werden. „Nie mehr halbe Wege“ hat diese unschuldig poppige Herzschmerz Philosophie, die dann massiv die instrumentale Metalcore Keule auspackt, damit die harten Jungs nicht blöd dastehen, weil es gegebenenfalls peinlich sein könnte, dass man die hervorragende Stimme von Laura feiert. In Eigenproduktion abgedreht steht die Band und eine kleine Story im Mittelpunkt des Geschehens. Nichts Aufregendes oder Spektakuläres, aber dennoch hören- und sehenswert und genau aus diesem Grund hier in unserem Video-Check.

Tom Morello – Adjourn it!

Für „Adjourn it!“ arbeitete Tom Morello mit seinem Sohn Roman und Serj Tankian von System of A Down zusammen. Was dabei herauskam, lässt uns ein wenig nostalgisch und sentimental ums Herz werden. Erlebten wir doch 1992 die Veröffentlichung von „Killing in the Name“ direkt mit und waren bei der MTV-Premiere live vor dem Röhrenfernseher dabei, holt uns „Adjourn it!“ direkt ab. Das Video nutzt Szenen aus dem Film „Salt of the Earth“ aus 1954, der den Kampf mexikanisch-amerikanischer Bergarbeiter gegen Ausbeutung, Rassismus und Unterdrückung zeigt. Damit greift der Song die rebellische Botschaft des Films auf und setzt ein klares Zeichen für Solidarität und Zusammenhalt gegen Angst und Spaltung. Weiterhin steht Tom Morello für das ein, was mit Rage Against The Machine begann.

Artefuckt – Sommer

Passend zur Jahreszeit lässt Artefuckt uns an ihrem „Sommer“ teilhaben. Geliefert wird ein Track, der auf all die Augenblicke abfeiert, in denen das Leben für ein paar Wochen verdammt gut aussieht, bevor der Alltag wieder an die Tür klopft. Schöne Bilder, Friede-Freude-alles-super-Text und das perfekte Intro zur Abfahrt in den Urlaub. „Sommer“ ist die zweite Auskopplung aus dem kommenden Album ALCHEMIE.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Redakteur

Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.

Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.

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