Alles mit Stil – vergessen und verstaubt – nicht mit uns!
Wir fangen von vorne an und gehen mit den Metal Rappern von Alles mit Stil auf Anfang. Nach etwas mehr als zehn Jahren gaben die hoffnungsvollen Lienzer endgültig auf. Mit dem vierten Album YÜEAH 2 wurde mehr oder weniger ein würdevoller Abschied gefeiert. Doch uns hat vielmehr GEGEN JEDE VERNUNFT begeistert, was uns zum Kauf der 2018er Neuauflage vom 2016er Album CHAOS animierte.
Trackliste

Schüchtern
Bei der Entnahme des Booklets steht es geschrieben: „Am Anfang War Das Chaos“. So würde man sich freuen, dass es just beginnt. Ne, denkste! Uns wird bewusst, dass wir uns hier in der Zeit zurückbewegen und wir die musikalische Zukunft der Band bereits kennen. Also, zurück auf Anfang. Der Opener und sein Nachfolger starten eher verhalten. So als würde sich Alles mit Stil noch nicht so richtig trauen, Gas zu geben. Beide Songs brillieren mit emotionalem Refrain und Texten, die sich um soziale Anerkennung und Selbstverwirklichung drehen.
Hoch und runter

Da sind sie. Mit „Eine Million“ bringen sich die Tiroler auf den Weg. Noch nicht so ganz kompromisslos und abgefahren, wie „Keine Zeit“ oder „Freier Fall“, dennoch eines der Highlights vom Album und der Beweis, dass man das Rad doch ein Stück weit neu erfinden kann.
Mit „Jeden Tag“ nimmt sich Alles mit Stil musikalisch der wohl am meist verbreiteten Sucht an. Sie bringt mit klaren Worten und ohne um den heißen Brei zu reden, das Thema auf Spur. Sehr weit bedrückender geht es dann mit „Wolken“ weiter. Suizid als Thema ist immer heikel. Du hast zwei Möglichkeiten. Die erste: nach vorne gehen wie bei Engst mit „Und alle tragen schwarz“. Oder komplett emotional abgehen wie bei Rise Against mit „Make It Stop“. Alles mit Stil bekommt das ganz gut auf die Kette. Dennoch wirkt es noch nicht ganz rund.
Hart gedisst

Jetzt klatscht es. Auch Applaus. „Krieg“ fetzt richtig. Das Intro mit den Stiefeln, die sich in beim Gehen in den Schotter bohren, heben uns die Nackenhaare und es dauert keine Minute, bis sich die Band im Refrain an Rage Against The Machine vergreift: „Töten für gar nichts, außer sich selbst, scheiß Welt, billig und wir sehn doch, Killing in the Name of.“ Klavier und entspannte Stimmung kommt bei „Die Welt dreht sich“. Wie auch in vielen anderen Tracks, kommt ein wenig Aggro Berlin Feeling auf, wenn die Texte sauber gerappt werden. „Von unten nach oben“ lässt uns musikalisch kalt. Lediglich das Gitarren Intro in Power Metal Schlagzahl und der Breakdown, der nicht wirklich ausgeführt wird erhalten eine Würdigung. Textlich wird mit den Neidern abgerechnet. In „Wir“ vereint die Band alles, was seit geraumer Zeit im Crossover abgeht. Starke Textzeilen, die gleich zu Beginn einen wirklich heftigen Diss auf Haftbefehl abfeuern. Im weiteren Verlauf wird mit Growls, Popgesangparts und starken Hoods gearbeitet.
Sexuell promiskuitiv – das Fazit

Rausgeschmissen werden wir stilvoll mit „Sluts“. Slut ist, per Definition, abwertend meist auf Frauen zu beziehen, die sexuell promiskuitives Verhalten an den Tag legen. Das fetzt für Alles mit Stil wohl nicht. Umso mehr steht der Titel für das, was auf dem nächsten Album veröffentlicht wurde. Kennt man das Nachfolger Album nicht, so ist „Slut“ ein typischer Cliffhanger. Und der muss befriedigt werden. CHAOS übernimmt den Part des Sparring Partners, als Vorbereitung für das, was folgte. Oder wenn man so will, ist das Debüt die Generalprobe für den Überknaller GEGEN JEDE VERNUNFT. Dennoch wird beim Hören klar, dass Alles mit Stil schon mit CHAOS richtig etwas gerissen hat. Sie hat uns Gen X, mit ihrem Oldschool Rap und den nach vorne ballernden Gitarren und Drums gezeigt, dass es deutsche Hoffnung für den Crossover gab. Herzlichen Dank an Alles mit Stil.
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Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.
Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.







