Saltatio Mortis in Geiselwind – Wenn der Tourauftakt die Welt stillstehen lässt
In der Eventhalle in Geiselwind herrschte am Freitagabend diese besondere Spannung, die nur ein Tourstart haben kann. Ein leises Murmeln hier, dann ein erwartungsvolles Raunen dort und man spürte: gleich knallt es! Saltatio Mortis startete in Geiselwind ihre neue Weltenwanderer Tour und von der ersten Sekunde an war klar, dass dies kein Warm-up, sondern ein Sturm war. 25 Jahre, ein viertel Jahrhundert Saltatio Mortis sollen gefeiert werden. Was eignet sich dafür besser als ein gewaltiger Tourauftakt.

Bad Loverz – Liebe, Cover und viel Spaß
Den Startschuss des Abends und der gesamten Tour feuerte Bad Loverz ab. Eine Band, die einem vielleicht, aber auch nur vielleicht durch irgendeinen Grund bekannt vorkommen könnte. Mit einem wilden Mix aus bekannten Hymnen und rotzigem, eigenen (zufälligerweise mittelalterlichem) Einschlag coverten sie sich quer durchs Programm. Von Classic Rock bis Mitgröhlgarantie war alles dabei. Spätestens beim dritten Song, dem „Pokémon Theme“ sang die Menge lauthals mit. Tanz und Jubel überall. Die quirligen 80er Jahre Outfits auf der Bühne gaben dem Gesamtbild den Rest. Vielleicht war es aber auch „Angels“ und das dazugehörige Lichtermeer, das das Publikum zum Ende des Sets nochmal berauschte. Egal wie man es nimmt, die Fans waren nun warm für ihren Hauptact.
Eine Show aus Flammen, Licht und Seele
Das Licht verdunkelte sich, Rauch stieg auf, die ersten Töne erklangen und die Eventhalle bebte. Saltatio Mortis stürmte mystisch mit der „Finsterwacht“ die Bühne, als wollte sie die ganze Tour in einem Abend zusammenfassen. Mit „Wo sind die Clowns?“, „Taugenichts“ und „Loki“ legte sie los, als wäre es das Finale und nicht der Auftakt. Hat sich das Spektakel gelohnt? Aber sowas von. Das Publikum brannte bereits in den ersten Minuten Feuer und Flamme. Das nennt man dann wohl dem Setting angepasst. Pyrotechnik ist bei dieser Band völlig normal. Genauso wie Fans in völliger Ekstase.

Frontmann Alea zog von der ersten Sekunde an alle in seinen Bann: kraftvoll, charismatisch und mit dieser unverwechselbaren Mischung aus Feuer und Feingefühl. Die Setlist war ein Ritt durch Welten: alt traf neu, Folk wickelte Rock ein, Mittelalter knallte auf Moderne. Und egal ob Gänsehaut bei „Nachts weinen die Soldaten“ oder Eskalation bei „Mittelalter“, zu dem das Publikum komplett durch hüpfte (auch von links nach rechts und wieder zurück). Die Band war on fire und die Masse eindeutig ein Mitmachpublikum. Man spürte jede Sekunde, wie viel Herzblut in jedem Takt steckte.
Das Publikum und das Glückshändchen
Das Publikum in Geiselwind machte keine halben Sachen. Vom ersten Song an wurde geklatscht, gesungen, gejubelt, getanzt. Überall pure Energie von vorne bis hinten. Alea suchte ständig den Kontakt, reichte Hände, lachte, ließ sich treiben (im wahrsten Sinne des Wortes). Durch den Bühnensteg ins Publikum war die Band zu jeder Zeit immer nah am Fan. Irgendwann wurde es Zeit für eine Glücksfee. Saltatio Mortis haben sich für diese Tour erstmalig diese Aktion ausgedacht: einen Überraschungssong. In einer Lostrommel waren Kugeln mit einer Auswahl an Songs. Der neunjährige Tobias aus dem Publikum zog für Geiselwind „Dessous Le Pont De Nantes“ und so gab sich Falk die Ehre am Mikrophon, statt an der Leier.
Außer dem Springen, Klatschen und Schwingen bekam das Publikum auch die Aufgabe auf die Frage „Seid ihr der geilste Chor der Welt?“ mit „Ich versteh´ die Frage nicht“ zu antworten. Das sorgte für mehrere herzliche Lacher und ich bin sicher, dass dieser Einwurf sich zukünftig etablieren könnte. Auch war die Menge parat als Alea sich zu „Rattenfänger“ über das Publikum surfen ließ. Dabei traf er dann tatsächlich auch auf einen Surfkumpel – ein Bild für die Götter. Man merkte, dass hier keine Stars über dem Publikum standen, sondern Gleichgesinnte auf einer Wellenlänge. Saltatio Mortis ist immer einen Besuch wert.

Fazit: Wenn der Spielmann ruft, folgt das Herz
Als die letzten Akkorde von „Für immer jung“ verklangen und die Lieblingsmenschen wieder von den Schultern gehoben wurden, war Geiselwind längst kein gewöhnlicher Konzertort mehr. Es war ein Ort, an dem Sehnsucht und Stärke, Lachen und Gänsehaut, Licht und Schatten zu einer Einheit verschmolzen waren. Man sah es in den Gesichtern – erschöpfte, glückliche Menschen, die noch immer mitsangen, obwohl der letzte Refrain längst verklungen war. Und als die Band dann für das Finale zurückkam und noch einmal „Große Träume“ und den „Spielmannschwur“ anstimmte, kam dieses seltene Gefühl zurück, wenn tausend Stimmen zu einer werden und alles andere für einen Moment unwichtig ist.
Was diesen Abend so besonders machte, war nicht nur die Wucht, mit der Saltatio Mortis ihren Tourauftakt feierte, sondern auch die Brücke, die schon ganz zu Beginn geschlagen wurde mit den Bad Loverz. Beide Bands eint etwas, das heute selten geworden ist: echte Leidenschaft. Herz, Schweiß und der Mut, sich selbst treu zu bleiben, oder auch mal etwas Neues auszuprobieren. Am Ende war es dasselbe Feuer. Das, was Musik ausmacht, wenn sie Menschen wirklich erreicht. In Geiselwind brannte dieses Feuer lichterloh. Es war der Beginn einer Tour, die mehr versprach als nur laute Töne. Sie versprach Gemeinschaft, Zusammenhalt und die Erinnerung daran, dass große Träume manchmal genau hier beginnen. Mitten zwischen Dudelsackklängen, Feuerfontänen und einer Menge Herzblut. Danke für 25 Jahre Saltatio Mortis, danke Weltenwanderer. Auf die nächsten 25!
Für alle die nicht da sein konnten und natürlich auch für diejenigen die dabei waren, haben wir HIER die Bildergalrie des Abends:
Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:
Redaktion
Als Kind der 90er bin ich vor allem mit Rock aufgewachsen. In meiner Jugend wurde ich dann mit Hilfe von Mittelalter-, Goth- und Metaleinflüssen zu dem Menschen geformt, der ich heute bin - und auf eben genau diesen Menschen bin ich heute verdammt stolz!
Ich nehme jede Erinnerung mit, die ich kriegen kann… Wann ist nochmal das nächste Konzert?










