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Andre Sinner – JUNG UND UNERFAHREN

VÖ 01.04.2022

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Ist das noch Punkrock? Ja aber natürlich, das ist Punkrock und zwar vom Allerfeinsten. Das 2. Album aus der Feder von Andre Sinner lässt die Herzen der Punkrocker wieder höherschlagen. Wer denkt, dass dies ein Aprilscherz wird, obgleich es das Datum der Veröffentlichung hergeben würde, dem kann ich sagen: April April!

Ich bin sicher es wird viele wie der Blitz treffen, ein bisschen so als wäre man frisch verliebt. Das macht man doch so im Frühjahr. Mit 12 Songs, untermalt mit feinem Gitarrensound, ein wenig Geige, ein bisschen Chorbegleitung und einer unverkennbaren Stimme, gibt es hier den guten Punkrock aus dem Pott.

Tracklist:

  • Lass uns anfangen
  • Das zweite Album
  • Europa (hilft nicht)
  • Jung und unerfahren
  • Die Leere
  • Weil ich euch sowieso nicht mag (Punkrock Version)
  • Nur die Ratten
  • Was ich mir für euch wünsche
  • Wenn ich tauschen könnte
  • Marionetten 2
  • Gefangen
  • Nicht nach Hause gehen

Mit „Lass uns anfangen“ fühlt man sich erst einmal wie in einem Irish Pub eingekehrt. Klänge, die ein bisschen an Ska anlehnen. Die Füße wippen wie von selbst mit und man möchte sofort mitsingen. Eingehend mit einem Gefühl von plötzlich ganz viel guter Laune. Man kann also schon erahnen, was das Album direkt am Eingang für einen bereit hält. Nicht zu laut und auf keinen Fall zu leise.

„Die Leere“, ein Song der inhaltlich gesehen eine gute Ballade abgeben könnte – Ernsthaftigkeit und Sarkasmus gemischt mit Traurigkeit. Besungen wird die tückische Gleichgültigkeit, die sich so oft unbemerkt einschleicht. Ein Thema das heute noch immer als tabu gilt, sich gehen zu lassen, leer zu fühlen, bis hin zur Depression oder dem Burnout. Sehr viele werden sich in diesem Lied wiedererkennen, jeder auf seine eigene Art in seiner eigenen Geschichte.

„Weil ich euch sowieso nicht mag“, dieser Song ist nicht ganz neu, hat es aber mit ein paar englischen Elementen verfeinert wieder aufs Album geschafft. Das war schon vorher mein absoluter Favorit und ist es auch immer noch. In der Punkrock Version ein absoluter Ohrwurm, der sich gut mitsingen lässt. Der geht ins Ohr und bleibt im Kopf. Ein stimmiger Song für jedermann und man muss nun wirklich kein Punkrocker sein, um sich mit Songs wie diesem zu identifizieren.

Da gibt es diesen einen Track, der mich am Anfang irgendwie sofort an die Toten Hosen erinnert. „Nur die Ratten“ ist ein absolutes Meisterwerk, welches ich jedem in seiner Interpretation selbst überlassen möchte. Ich, für meinen Teil möchte dabei einfach vor einer Bühne stehen oder in einem Cabrio mit offenem Verdeck sitzen und laut mitsingen. Da ist einfach das Gefühl, sich mitteilen zu wollen, feiern und frei sein.

„Gefangen“ ist ein Lied, welches die Beziehung zweier Menschen beschreibt, in der man sich wohl nicht mehr viel zu sagen hat. So sehr man auch daran festhält, es schein zu entgleisen. Lyrisch gesehen geht es hier um den Wunsch nach einer besseren Beziehung wie es einmal war. Der Ruf nach einer zwischenmenschlich gesunden Sache. Fast schon theatralisch und dramatisch erzählt wie es geht, den Schein zu wahren, obgleich man sich noch sehr liebt. Wenn man sich gefangen fühlt im Bann der Gewohnheit und dem Alltag, der in so vielen Beziehungen herrscht, aber auch dem Streben nach dem eigenen Glück. Die Suche nach sich selbst. Auch hier fühlt sich der Hörer mitgenommen und verstanden. Jeder kennt es, jeder fühlt es.

Fazit:

Hier ist wirklich für jeden etwas dabei. Melodisch sowie lyrisch ist das Album sehr beständig. Die Songs lehnen gut aneinander an, was sowohl zum Mitsingen als auch zum Nachdenken anregt. Genau das, was wir im Moment einfach so sehr brauchen.

Absolut alltagstauglich, ob für die Playlist im Auto, zu Hause oder live auf irgendeiner Bühne – das Ding rockt. Mit einem Chor, dem weiblichen Part und dem Zusammenspiel der vielen Instrumente ist dieses Album vielfältig und trotzdem sehr harmonisch aufeinander abgestimmt. Die Geige gibt dem Ganzen einen folkloristischen Klangstil. Man hört sofort, da trifft ein Hauch Folklore auf Punkrock.

Meistens handeln die Songs von Politik, Selbstkritik, vergangener Zeiten, aber auch von Liebe bzw. dem, was davon so übrigbleibt. Was der Höhepunkt des Albums ist? Das ist schwierig zu sagen. Für mich ist es  Sinners Textarbeit, die teils sehr prägt und zu vielen schönen Geschichten führt.

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