Zeit für einen Køllaps?

Foto: Mucktin

Fast zwei Jahre ist es her, dass wir euch die Alternative Punk Band Cpt. Køllaps vorgestellt haben. Dies ist eine lange Zeit, in der die Band aber nicht untätig herumsaß, sondern fleißig war. Sänger Micha hat sich die Zeit genommen, sich unseren Fragen zu stellen. Lest selbst, was er alles zu erzählen hatte.

VRR: Ein Vögelchen hat mir gezwitschert, dass ihr zwei neue Songs veröffentlicht habt. „Lieblingskneipe“ und „Alle 3 beide zusammen, Rock’n’Roll“. Worum es in dem ersten Song geht, kann man sich ja denken. Worum geht es in dem zweiten Song?

Micha: In dem Song geht es darum, dass wir alle den Rock feiern, egal wie und wo, auf welcher Art. Es ist egal wo du herkommst, wie alt du bist, welcher Religion du angehörst, wie du aussiehst. Jeder sehnt sich nach guter Rockmusik und lässt sie aufleben und feiert auf seine Weise. Ausgenommen sind natürlich jegliche Art von Menschen, die rassistisches Gedankengut in sich tragen, aber dies wissen auch die Leute, die unsere Musik hören und unsere Songs kennen, da wir auch Songs gegen Rechts geschrieben haben.

Hier geht’s zum Song:

Ich wurde von Nazis verfolgt

VRR: Speisen auch persönliche Erfahrungen diesen Song oder was gab Anlass, diesen Song zu schreiben?

Micha: Teilweise ja. Ich wurde als junger Mann nach einer Party in einem Bus von Nazis den kompletten Heimweg in den Nacken gespuckt. Als wir dann mit dem Bus angekommen sind, haben sie uns verfolgt mit den Worten „Ey wartet, wir wollen unsere Rotze wieder“ und wir konnten gerade noch über einen Zaun springen und im Vorgarten verstecken. Die haben dann die komplette Stadt auseinandergenommen. Wenn sie die Gewalt an uns ausgelassen hätten, wer weiß, was mit uns passiert wäre. Und nur, weil ich schwarze Haare und ein etwas südländischen, dunkleren Hautton habe. Ab da war mir klar, dass man gegen Rechte etwas machen muss. Ich mache das, indem ich Texte schreibe, die meine Wut dagegen ausdrücken. Zum Beispiel beim Song „Gegen das Vergessen“, in dem ich zwar eher rappe und als Punkwart unterwegs bin, nicht mit Cpt. Køllaps. Aber es ist egal in welcher Form/Musikrichtung man etwas gegen Nazis singt/schreibt, Hauptsache ist, dass man etwas dagegen unternimmt (Anm. d. R.: Dieser Song wird gerade etwas überarbeitet und mit Gitarren hinterlegt.)!

 

VRR: Das ist sehr schlimm. Da fehlen einem die Worte, dass Menschen so etwas widerfährt. Eineinhalb Jahre ist es her, dass wir beide im Gespräch waren. Was ist seitdem bei Cpt. Køllaps passiert? Ihr habt offensichtlich die letzten Monate genutzt, um an neuem Liedergut zu arbeiten. Wie viele Songs habt ihr mittlerweile in der Pipeline?

Micha: Wir haben seitdem mittlerweile zehn Songs und einige Konzerte gespielt, eher viel bei uns in der Ecke, aber nach dem Release der ersten beiden Songs haben wir jetzt auch Anfragen von weiter weg. Unser Traum ist es, einmal eine EP produzieren zu lassen, aber das ist noch ein langer Weg. Erstmal werden wir weiter neue Songs schreiben und schauen, dass wir Richtung Ruhrpott einige Konzerte spielen, das ist ja fast um die Ecke und da gibt es auch super Musikclubs wie z. B das TUROCK oder Don‘t Panic.

VRR: Das sind durchaus coole Locations, wo auch sehr bekannte Bands auf der Bühne stehen. Wäre das irgendwie ein Ritterschlag für euch, wenn ihr dort spielen dürftet?

Micha: Ja, wäre es. Es ist unser Ziel dort mal zu spielen, weil ich da schon öfter selbst privat auf Konzerten war und die Locations einfach abgerockt und sympathisch gemütlich sind. Wir würden da musiktechnisch auch perfekt reinpassen.

VRR: Das würdet ihr durchaus. Wie sieht denn üblicherweise der Entstehungsprozess neuer Songs bei Cpt. Køllaps aus?

Micha: Meistens ist es so, dass unser Gitarrist Sascha mit einer neuen Idee um die Ecke kommt und ich dann den Text dazu schreibe, aber ab und zu ist es auch andersrum, dass ich im Ideenschreibwahn bin und die Jungs dann etwas dazu kreieren. Aber hauptsächlich ist es eher Sascha, der etwas Neues raushaut.

Ein Blick in die Zukunft

VRR: Wie seht ihr eure Zukunft? Wo wollt ihr in den nächsten fünf Jahren hin? Gibt es irgendwelche Ziele, die ihr für euch erreichen wollt, außer z. B. die EP, das TUROCK oder Don’t Panic?

Micha: Neben unserem Traum, eine eigene EP zu produzieren, würden wir natürlich auch gerne einmal auf Tour gehen. Und wenn es erstmal als Support von Dritte Wahl oder 100 Kilo Herz ist, das würde uns schon mega glücklich machen.

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Foto: Mucktin

VRR: Apropos Tour: Wie sieht es mit Gigs aus? Kann man euch dieses Jahr noch irgendwo live genießen? Oder sind Konzerte in Planung?

Micha: Bis jetzt spielen wir noch das Gegen Rechts Konzert in Hörstel am 6.9. und am Ende des Jahres, am 27.12., auf dem „Schüttorf Rocks“ Indoor Festival. Sonst haben wir aber noch zwei, drei Konzerte dieses Jahr, deren Veranstalter uns angefragt, wir aber noch nicht zugesagt haben. Infos findet ihr grundsätzlich auf unserer Website https://cpt-kollaps.de/. Ihr findet uns auch bei Social Media hier https://www.instagram.com/cpt.kollaps? und hier https://www.facebook.com/kollaps.

VRR: Zu guter Letzt habt ihr die Möglichkeit, den Lesern und euren Fans noch etwas mit auf den Weg zu geben.

Micha: Wenn ihr mal Bock auf ein Konzert habt, wo ihr ausgelassen feiern könnt und euch Ohrwürmer über leckere Hopfen-Smoothies und Festival-Feiereien nicht stören, sondern euch eher zum Mitfeiern animieren und ihr mit einem gutem Gefühl nach Hause strumpelt, kommt gerne zu einem Konzert von uns. Wir freuen uns immer, mit den Menschen zusammen feiern zu dürfen, die Live-Musik mögen und Konzertaugenblicke einpacken, zu ihrem Eigen machen und mit nach Hause nehmen, um die manchmal nicht so leichte Zeit in dem Moment in eine schönere zu verwandeln.

VRR: Danke, dass du dir die Zeit für dieses Interview genommen hast.

Hier geht es zum Interview aus November 2023: https://vollgas-richtung-rock.de/magazin/ohne-kollaps-mit-cpt-kollaps/

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Foto: Mucktin

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Crew | Redaktion | Korrektur

Bereits im Kindergartenalter gegen Ende der 80er-Jahre durch meine älteren Geschwister mit Punk großgeworden, fand ich ebenfalls als Kind über Metal, Rock und Grunge meinen Weg zum Gothic Anfang der 90er-Jahre und etwas später dann zur NDH und zum Mittelalter-Rock. Diesen Genres bin ich bis heute als schwarz-bunte Seele treu ergeben.