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Im Herzen von Oberschwaben – Das SchwobaFlär – Interview

Im Interview mit Veranstalter Franky

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Ja, irgendwie hat in letzter Zeit fast alles nur noch mit einem Thema zu tun. Corona. Und ja, auch ich bin ein Stückweit an genervt davon. Aber hey, c’est la vie. Was will man machen. Da ist es doch umso schöner, wenn es Menschen gibt, die aus dieser Situation das Beste machen, sich engagieren, neue Talente an sich entdecken und damit anderen auch noch Freude bereiten. 

Wenn schon nicht AlpenFlair, dann halt in Gottes Namen SchwobaFlär
“Urlaub hatten wir ja schon genehmigt bekommen” 

Schon im letzten Jahr fand das erste schwäbische Musikfestival “SchwobaFlär” statt. Mit der tatkräftigen Unterstützung seiner zukünftigen Frau Melanie, Freundin Kerstin und Freund Manuel, nutze der 27-jährige Musik- und Festivalbegeisterte Personaldisponent Frank Wachter, liebevoll Franky genannt, die Enttäuschung, dass das “AlpenFlair” abgesagt wurde, die Chance, sein eigenes Festival in Großdeinbach im wunderschönen Schwäbisch Gmünd, auf die Beine zu stellen. Und da nun immer wieder mehr und mehr Absagen von Festivals im Raum stehen und mit Sicherheit noch kommen werden, baten wir Franky zu einem kleinen Smalltalk über diese coole Schnapsidee. Vielleicht könnt ihr euch hier ein paar Tipps holen, wie ihr euer eigenes kleines Festival auf die Beine stellt. 

VRR: Hallo Franky, schön dass du Zeit für uns hast. Auf wie vielen Festivals warst du schon? Nenne bitte ein paar. 

Franky: Bisher war ich auf zehn Festivals. Dazu gehören das AlpenFlair, FEK, Woodstoig, Summerbounce und natürlich das SchwobaFlär. 

VRR: Welches war dein Erstes? Welches das Beste, deiner Meinung nach? 

Franky: Mein erstes Festival war das AlpenFlair im Jahr 2014. Die Frage nach dem besten Festival ist gar nicht so leicht zu beantworten, da alle genial waren. Ganz besonders am Herzen liegt mir das AlpenFlair. Das Festival ist, meines Erachtens, immer top organisiert, man trifft immer sehr nette Menschen und es ist eine sehr schöne Region rund um Natz-Schabs. Und natürlich ist auch das Line-Up jedes Jahr eine Überraschung, man lernt ständig großartige neue Bands kennen.  

VRR: Wann und warum bist du auf die Idee gekommen, selbst ein Festival zu organisieren? 

Franky: Als im letzten Jahr schließlich auch die Absage für das lang ersehnte und noch erhoffte AlpenFlair kam, waren meine Verlobte und ich ziemlich niedergeschlagen. Nach ein, zwei Bier fiel dann der Satz „Dann campen wir eben hinterm Haus und machen da drei Tage Party“. Diese Schnapsidee wurde schließlich immer weitergesponnen und in die Tat umgesetzt. Es ist etwas sehr Großes und Geniales daraus entstanden. 

VRR: Wo fand das Festival statt? 

Franky: Auf dem Grundstück meiner Eltern, im Herzen von Oberschwaben, gibt es hinter dem Haus eine ca. 1500 qm große Apfelbaumwiese, die perfekt dafür geeignet war.  

VRR: Wann fand das Festival statt? 

Franky: Da dieses Festival aus der Absage vom AlpenFlair entstanden ist, gab es nur einen Termin, der in Frage kam. Der Termin, an dem eigentlich das AlpenFlair stattfinden sollte. Vom 18. bis 21.06.2020. Der Urlaub war bei den meisten eh schon im Kalender eingetragen.  

VRR: Was war das Einfachste und was war das Schwierigste bei der Organisation? 

Franky: Das Einfachste zu organisieren war der Platz, auf dem das Ganze stattfinden sollte. Hier waren von den sanitären Anlagen, über Strom bis hin zu den Zeltmöglichkeiten alles vor Ort. Die größte Herausforderung war, dass eigens von Melli entworfene Logo in ein digitales Format zu verwandeln, welches für die Druckerei geeignet war. Das hat eine ganze Weile gedauert und viel Kraft und Nerven gekostet. Ein weiterer Schwerpunkt war die Organisation und Vorbereitung der technischen Ausstattung, die Manuel und ich übernommen haben.  

VRR: Was genau hast du alles dafür organisiert? Geh ruhig ins Detail…Essen, Getränke, Zelte, Strom, Klo, Duschen, Merchandise etc.  

Franky: Das Festival ist peà peu entstanden.  

Ursprünglich sollte dafür gar nicht so viel geplant werden. Der Grundgedanke war, man zeltet zusammen unter Freunden und verbringt die drei Tage sozusagen auf dem „Campground“. Irgendwann kam dann die Idee dazu, ein Infield mit entsprechender Bühne zu gestalten. Hierfür mussten entsprechende Beschallungsanlagen, eine Leinwand, ein Beamer, Laptops und Mischpulte, sowie eine Nebelmaschine und die Bühnenbeleuchtung organisiert werden.  

Als Leinwand haben wir eine alte Tischtennisplatte weiß gestrichen und an den Traktor montiert. Auf der Bühne wurden dann jeden Abend zwei Livekonzerte abgespielt, um so authentisch wie möglich, den Festivalcharakter hinzukommen. Selbst einen Wellenbrecher haben wir aufgebaut.  

Merchandaise 

Natürlich gibt’s kein gutes Festival, ohne ordentliche Bändchen und T-Shirts. Die Bändchen wurden mit unserem Schriftzug „SchwobaFlär 2020“ versehen. Auf die Vorderseite der T – Shirts wurde unser Logo gedruckt und auf der Rückseite sind Bilder von allen Teilnehmern abgebildet, welche wir um ein Bild des Campgrounds platziert haben.  

Social Media 

Um den Besucher*innen des Festivals schonmal einen kleinen Vorgeschmack liefern zu können, wurde vorab auch ein eigener Teaser zum Festival gedreht. Hierfür wurde das Lied „Schwarz-Weiß-Neon“ von Herzlos gewählt, welches zur inoffiziellen Hymne dieses Festivals geworden ist. Dieser Teaser war neben dem Logo eines der größten Projekte, die im Voraus zu organisieren waren. Um den Teaser zu drehen, waren Manuel und ich acht Stunden unterwegs und für den Schnitt hat unser Manuel nochmals 40 Stunden investiert.  

Location – Vom Parkplatz über die Scheune bis zu Omas Haus 

Für den Platz musste auch Einiges vorbereitet werden. Die Wiese wurde frisch gemäht, ich habe Holz gehackt und eine Feuerschale ausgeliehen. Wir haben ein Pavillon als Sonnen- und Regenschutz besorgt. Strom für die Bühnentechnik war über die alte Scheune verfügbar. Die Parkmöglichkeiten auf dem Grundstück haben wir vorher ausgewiesen und ein Willkommensplakat im Fenster des Hauses der Oma angebracht. Im „Oma Haus“ konnten wir auch die sanitären Anlagen nutzen. Dafür hat Kerstin Desinfektionsmittel, Reinigungsmittel und Hygieneartikel besorgt, die allen zur Verfügung gestellt wurden. Für das Spülen unseres Campings Geschirrs haben wir eine große Schüssel im Haus vorbereitet. Eine festivaltaugliche Duschmöglichkeit entstand aus einem alten Duschrahmen, der am ehemaligen Hühnerstall samt Duschvorhang befestigt wurde. Wasser aus dem früheren Stall wurde über einen Gartenschlauch an die Campingdusche geliefert. Zur Getränkekühlung haben wir einen kleinen Kindersandkasten mit Wasser gefüllt. Das alles haben wir Vier am frühen Vormittag des ersten Festivaltages durchziehen müssen. Hinzu kam noch, dass, wie fast immer auf Festivals, Regen angesagt war. So mussten wir kurzfristig dann doch noch die geplante Open Air Bühne in den großen Schuppen verlagern, damit die Technik nicht versagt. Für den späteren Abschluss des Festivals hatten wir noch ein kleines Feuerwerk organisiert.  

VRR: Welche Auflagen musstest du, Aufgrund von Corona, einhalten? 

Franky: Das Ordnungsamt hatte uns ein Fest mit bis zu 20 Personen erlaubt. Voraussetzung hierfür war, dass die Veranstaltung unter freiem Himmel stattfindet und die Reinigung der sanitären Anlagen mit entsprechen Reinigungs- und Desinfektionsmitteln erfolgt. Am Ende waren wir 11 Personen auf dem Festival. 

VRR: Wie hast du die Auswahl der Besucher getroffen? Und warum? Und weshalb? Erzähl mal bitte. 

Franky: Die „SchwobaFlär“ – Gruppe war derselbe Freundeskreis, der sich sonst auch immer gemeinsam zu Konzerten oder Festivals trifft. Aufgrund der Corona – Bestimmungen war die Teilnehmerzahl begrenzt. Mit dabei waren Melanie, Manuel, Kerstin, Daniel, Anne, Gerd, Hannes, Simon, Tanja, Corinna, ja und ich. 

VRR: Konntest du das Festivalfeeling, genau so oder so in etwa, auch so rüberbringen, wie es original gewesen wäre? Was hast du dafür getan? Oder was habt ihr dafür getan? 

Franky: Ich denke wir konnten allen ein würdiges Festival bieten und haben es auch selbst sehr genossen. Wir haben separat zur Zeltwiese ein Infield mit Bühne geschaffen. Mittags stand, wie auf jedem Festival, der obligatorische Soundcheck an und abends gab es die Konzerte. Auf dem Campingplatz wurden natürlich Zelte und Pavillons aufgestellt. Hier wurde auch die meiste Zeit verbracht. 

Fast besser wie beim Original 

Die Verpflegung lief wie von anderen Festivals gewohnt. Getränke hat jeder selbst besorgt und das Essen war wie immer eine Gemeinschaftsaktion. So hatten wir am ersten Abend selbstgemachte Maultaschen mit Kartoffelsalat, am zweiten Tag wurde groß gegrillt. In den dritten Tag starteten wir mit einem zünftigen Weißwurstfrühstück und am Abend gab es leckere Burger aus der örtlichen Gastronomie. Anders als auf den Festivals erlaubt, hatten wir ein großes Lagerfeuer, auf dem man grillen, Stockbrot machen oder sich auch einfach nur wärmen konnte. Ebenfalls untypisch für ein Festivalgelände war die Toilette mit fließend Wasser. Das war aber doch recht angenehm und mit dem Hintergrund Corona auch unabdingbar.  

Unterhaltungsprogramm 

Bevor am Abend die Konzerte starteten, wurde noch ein Tagesvideo gezeigt mit den Highlights des Vorabends und des Mittags auf dem Campingplatz. Zum Beispiel wie Neuankömmlinge, ihre Zelte aufbauten, der Bau einer improvisierten Pavillonerweiterung, Spazierenfahren in Schubkarren und andere Faxen, die man auf einem Festival so treiben kann. Diese Videos wurden von unserem Kamera- und Bühnenmann Manuel jeden Tag mit viel Liebe zum Detail erstellt. 

Gänsehaut wie beim Original 

Bei den Konzerten hatte man dann irgendwann vergessen, dass man eigentlich „nur“ vor einer Leinwand und nicht vor der echten Band steht. Die Stimmung war sehr ähnlich. Dazu hat auch das persönliche Gemeinschaftsgefühl beigetragen, das in Corona – Zeiten so oft fehlte und von allen vermisst wurde. Viele hatten bei ihrer Lieblingsband Tränen in den Augen. Die Bengalos bei „Das Stadion brennt“ von Unantastbar, oder die Wunderkerzen bei Frei. Wilds „Die Zeit vergeht“ durften natürlich nicht fehlen. Auch als dann am letzten Tag das allerletzte Lied lief und das Feuerwerk entfacht wurde, hat es sich definitiv nach Festival angefühlt.  

Ich muss noch was dazu sagen. Herzlichen Dank an alle, die so ein Event ermöglicht haben. Die die dabei waren und natürlich meinen Eltern.ES WAR GEIL!! 

VRR: Welche Bands “traten” denn auf? Und gab es einen Timetable und Spezialeffekte zur Show? 

Franky: Wir hatten eine extra dafür eingerichtete Bühne mit Leinwand, Beamer, Beschallungsanlage, Bühnenbeleuchtung und Nebelmaschine. Hier haben wir Live-Auftritte der jeweiligen Band abgespielt.  

Donnerstag 
  • Stunde Null 
  • Hämatom 
Freitag 
  • Artefuckt  
  • Unantastbar 
Samstag 
  • Sabaton
  • Frei. Wild 

Einen Timetable brauchten wir nicht, wir entschieden gemeinsam nach unserm Gusto, auf was wir gerade Lust hatten. 

VRR: Hattet ihr Ärger mit der Nachbarschaft oder mit der Polizei bekommen? 

Franky: Sämtliche Nachbarn wurden natürlich im Vorfeld informiert. Ärger gab es keinen. Ganz im Gegenteil. Bereits am ersten Abend kam der erste Nachbar mit Bier vorbeigesellte sich dazu und feierte mit uns. In den Tagen darauf kamen auch andere Nachbarn auf uns zu und sagten uns, wie großartig diese Idee doch wäre und die Musik wäre noch zu leise. Die Anlage lief zu dem Zeitpunkt auf Vollgas.  

VRR: Hast du eine zweite Auflage geplant? 

Franky: Nach aktuellem Stand soll es eine zweite Auflage geben. Wie diese konkret aussehen soll, ist aber noch nicht entschieden.  

VRR: Was erwartet uns beim nächsten Mal? 

Franky: Wird nicht verraten. Aber natürlich bemühen wir uns wieder, ein geiles Festival mit realem Feeling auf die Beine zu stellen. 

VRR: Franky, ich danke Dir für dieses ausführliche Interview. Es ist toll, wenn man aus der “Not” eine “Tugend” macht. Wie immer, das letzte Wort an unsere Leser gehört dir. Was auch immer du noch loswerden möchtest. Bitte. 

Franky: Die aktuelle Zeit ist für keinen von uns einfach, aber wir haben uns davon nicht runterziehen lassen. Aus einer kleinen Schnapsidee, aus der Not geboren, entsteht mit wenigen Leuten ein geniales Event. Ich kann euch nur das weitergeben, was ich für mich speziell aus diesem Festival mitnehmen konnte: “In diesem Sepia Foto müssen wir das NEON sein”. 

Angefixt worden von Franky? Macht es ihm nach, statt zu versauern. 

Jörg Hentzgen
Jörg Hentzgen
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal á la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: “Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.
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