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Deutschrock – Attitüde statt Spielkultur

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“Deutschrock und Punkrock leben von der Attitüde und nicht von der Spielkultur. Die Aussage des Textes steht über allem”, erklärte uns Produzent Jörg “Warthy” Wartmann im Interview zur aktuellen Ausgabe unseres Printmagazins. Doch wie viel ist an der These dran? Ist das, was gesagt wird, wirklich wichtiger, als die musikalische Raffinesse eines Liedes?

Keine Musikvirtuosen

Befragt man Wikipedia zum Thema Deutsch- oder Punkrock besteht die Kernaussage daraus, dass die Musik “trivial-einfach” ist und aus “drei Akkorden” besteht. Doch nur, weil es das Internet behauptet, muss es nicht stimmen. Allerdings machen auch Unantastbar keinen Hehl daraus, dass ihre Lieder nicht schwierig zu spielen sind und verrieten uns im Interview: “Wir machen eine Musik, die nicht wahnsinnig anspruchsvoll ist. Das ist Punkrock! Wir müssen keine Musikvirtuosen sein, um Unantastbar-Songs zu spielen.” Stattdessen legen sie Wert auf ehrliche Texte und der anhaltende Erfolg gibt ihnen Recht. “Es muss authentisch sein. Es ist etwas anderes, wenn eine Band über Themen singt, hinter denen sie auch wirklich steht. Das kommt anders rüber, als wenn man Themen sucht, die einfach funktionieren und gut ankommen. Ich glaube, die Leute können gut unterscheiden, was echt und was aufgesetzt ist.”

Keine musikalischen Ausreißer

Wir werfen einen Blick auf ihre Musikerkollegen KrawallBrüder, die inzwischen seit 25 Jahren im Geschäft sind. Was ist der Grund, warum ihre Fans sie schon so lange auf ihrem Weg begleiten? “Ganz ehrlich, wir erfinden das Rad selten neu. Das wollen wir aber auch gar nicht. Ich bin ein Freund davon, wenn eine Band sich treu bleibt und man direkt hört, wer am Werk ist, ohne Ausflüge in was-weiß-ich-welche Richtung zu unternehmen.”, erklärt Pascal im Interview. Auch Flo bezieht klar Stellung: “Um die Texte zu verstehen, benötigt man auch etwas Hirnmasse. Ich finde es reicht nicht in einen Song nur einmal kurz reinzuhören. Aber einen gewissen Anspruch hatte Pascal schon immer in den Texten. Was uns wiederum, weiter von anderen Bands differenziert.”

Begrenzte Möglichkeiten

Alte Hasen im Geschäft sind auch die Jungs von Kärbholz. Bei ihrem aktuellen Album HERZ & VERSTAND wurde es musikalisch ausgefeilter, doch was im Studio gut klingt, birgt live einige Fallen. “Musikalisch ist die neue Platte recht komplex geraten. Das heißt, wir haben beispielsweise viele Gitarren aufgenommen. Live sind wir aber instrumental ein Trio. Drums, Bass, Gitarre. Das heißt wir müssen das ganze natürlich auf das Wesentliche reduzieren.”, erklären sie. Doch trotz der Experimente beim Sound bleibt das Augenmerk auf den Texten: “Einige dieser Lieder zu schreiben war im wahrsten Sinne des Wortes eine therapeutische Notwendigkeit. Mein Ventil, meine Art, aufgestaute Energien zu kanalisieren. Wenn du dich darauf einlässt, über deine innersten Gefühle zu schreiben, über Dinge, die dich bedrücken oder dir Angst machen, dann begibst du dich auf dünnes Eis.”

Töne vom Band

Festhalten kann man also, dass die Musik nicht zu aufwendig arrangiert sein darf, damit sie live in der entsprechenden Besetzung noch funktioniert. Allein deswegen sind die Möglichkeiten begrenzt, wenn man nicht mit Tönen vom Band nachhelfen möchte. So unterschiedlich der Sound und die Songinhalte von Unantastbar, KrawallBrüder und Kärbholz sind, haben sie dennoch eines gemeinsam. Vergleicht man ihre Aussagen in den Interviews, erkennt man schnell, dass sie besonderen Wert auf ihre Texte legen. Welche Bands am Ende auf unserer Playlist landen, liegt wohl nicht am virtuosen Gitarrenspiel, sondern daran, womit wir uns am meisten identifizieren können.

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 26 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute stolpert man mir regelmäßig auf diversen Konzerten und Festivals über die Füße. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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