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ASP – Interview zu KOSMONAUTILUS

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Wie fühlt es sich an, wenn ein neues Werk vollendet ist, in das du abermals all deine Energie, Zeit und Kreativität investiert hast? Ist man danach leer oder doch eher aufgeregt und fiebert voller Vorfreude der Veröffentlichung entgegen?

Asp: Dieses Mal überwog die Leere. Als ich für unser Jubiläumsjahr, 20 Jahre ASP, frecherweise entschieden hatte, nicht nur so etwas wie eine neue Best-of-CD, sondern direkt ein neues Album zu veröffentlichen, fühlte sich das richtig und gut an. Denn es zeigt, worum es bei ASP geht: neue Musik und neue Geschichten! Dennoch sind wir auch in die Vergangenheit eingetaucht und spielten eine aufwändige Jubiläumstournee, die uns während des Produktionszeitraums der neuen CD am Ende dann doch sehr viel Energie gekostet hat. Man spürt dann, dass man keine 30 Jahre mehr alt ist, denn Songs zu schreiben ist eine sehr intensive Arbeit. Im Nachhinein weiß ich auch, dass es für unseren Kräftehaushalt besser gewesen wäre, wenn diese neue Platte nicht volle 79 Minuten Spielzeit hätte, sondern nur etwa 65 Minuten.

Wir geben immer zu 100 % Vollgas, manchmal auch zu 120 %, und am Ende haben wir, speziell unser Gitarrist und Produzent Lutz Demmler und ich, das definitiv gespürt. Wir sind mit allem, was wir hatten, glücklich über die Ziellinie gekommen – und blieben dort dann liegen. Nach der Abgabe der Masterbänder an unsere Plattenfirma Trisol ging zwei Wochen lang erst einmal rein gar nichts mehr. In dieser Zeit war mein einziger Wunsch, ganz viel zu schlafen. Es steckt alles, was wir haben und hatten, in diesem Album. Bei uns ist das nicht nur das Herzblut, sondern jegliche Energie, die wir besaßen. Dieser überlastete Muskel beginnt sich jedoch momentan wieder mehr und mehr zu entspannen.

Hört man das durchweg homogene Ergebnis, so schließt man daraus, dass der Songwriting-Prozess ohne größere Stolpersteine verlief. Wie betrachtest du diese Phase rückblickend?

Asp: So war es tatsächlich! Dadurch dass uns dieses Werk so leicht von der Hand ging, passierten auf der Zielgeraden noch Dinge, von denen ich gesagt habe: Dies und jenes darf und muss noch auf das Album kommen. Wenn der Flow mal da ist, muss man ihn auch nutzen. Auch wenn diese Scheibe sehr homogen wirkt, so besitzt sie doch sehr viele, kleine, rebellische Musikmomente, die man in dieser Form bei ASP noch nie gehört hat. Es ist schön zu erleben, wie all dies Gestalt annimmt und trotz diverser musikalischer Ausflüge am Ende wieder zu einem Ganzen wird.

Was den homogenen Klang betrifft, so hat uns unser alter Freund Vincent Sorg dieses gewisse i-Tüpfelchen bieten können. Bereits von seinen ersten Mixen waren wir vollkommen begeistert. Ich vermute, dass wir uns über die Jahre hinweg so gut kennengelernt haben, dass er mit dieser verqueren ASP-Welt seinen Frieden geschlossen hat und sich darauf wirklich total gut einlassen konnte. Am Ende ist es vermutlich ihm zu verdanken, dass die CD vom Sound her so ein tolles, einheitliches Werk geworden ist.

Welche der Nummern entstand denn so unverhofft am Ende des gesamten Kreativprozesses?

Asp: Ungeplant war das nicht wirklich, aber das beste Beispiel sind wohl die drei „Abyssus“-Teile, die am Ende dann doch etwas ausufernder ausfielen. Aber das durfte dann auch so sein! Hierauf hatte ich die Möglichkeit, noch etwas mehr von der Geschichte zu erzählen und preiszugeben, als ich es ursprünglich vorgehabt hatte. Und seien wir mal ehrlich: Wenn ein Song ohnehin schon über zehn Minuten geht, so kommt es auf zwei bis drei weitere Minuten auch nicht mehr an. Gerade dort entstanden dann auch Dinge, die vorher in dieser Form bei ASP noch nicht stattgefunden haben. Glücklicherweise hat das alles super funktioniert und so landeten Passagen darauf, die eigentlich erst für die nachfolgende Veröffentlichung vorgesehen waren.

Grundsätzlich besitzt „Kosmonautilus“ wieder einen übergeordneten roten Faden, und dennoch steht jeder Song ebenso wieder für sich alleine. Das ist ein Kunstgriff, der dir inzwischen sehr gut gelingt. Dein übergeordnetes Ziel war jedoch, den vierten Teil des „Fremder“-Zyklus und damit die direkte Fortsetzung von „zutiefst“ zu kreieren?

Asp: Das ist richtig, und das für mich sehr Komfortable am „Fremder“-Zyklus ist dieses kaleidoskopartige Erzählen. Das heißt, alles, was ich erzähle, muss nicht in einer logischen Abfolge stattfinden, wie es z. B. bei einem Roman oder einem Film der Fall wäre. Nun nähern wir uns allmählich dem Punkt, an dem sämtliche Fäden, die ich gesponnen habe, für den aufmerksamen Hörer so langsam zusammenlaufen. Das macht es für mich in der Erzählung zwar nicht unbedingt leichter, wenn ich mich später in Interviews um die berühmte Frage „Worum geht es denn auf dem Album?“ herumdrücken muss. Nun tauchen Dinge auf, welche die ASP-Fans, die uns schon lange begleiten, wiedererkennen werden.

Gewisse Motive tauchen auf, finden ihre Fortsetzung sowie auch Endpunkte und geben dem Hörer dieses gewisse Kurz-vor-dem-Höhepunkt-Gefühl, da sie erkennen, dass nun gleich etwas geschieht. Deshalb wird das nächste Album den „Fremder“-Zyklus abschließen, wodurch sich sehr vieles von den Dingen, die jetzt erzählt werden, auflösen wird. Dann kommt zum ersten Mal der Moment, in dem vieles konkreter wird, und dennoch muss mir dabei abermals die Gratwanderung gelingen, dass viele Songs erneut für sich alleine stehen können. Das wird nicht einfacher, wenn man auf das Ende einer Geschichte zusteuert, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass das hinhaut.

Gab es denn Musik, Künstler oder Alben, die dich direkt oder indirekt während des Entstehungsprozesses von „Kosmonautilus“ beeinflusst haben?

Asp:Eigentlich nicht. Es war eher so, dass viele Sachen, die ich in meiner Jugend gehört habe, auf diesem Album wieder eine größere Rolle gespielt haben. Damit meine ich z. B. die ganz frühen Paradise Lost, deren erste zwei Alben ich damals hoch und runter gehört habe. Es kann sein, dass sich davon etwas in den Nummern wiederfindet, aber auch andere Dinge, die man bei ASP vermutlich nicht erwartet.

Es gibt in einem der späteren „Abyssus“-Teile einen Part, da hört man ein wenig Black Sabbath raus. Das ist eine Band, die mich immer begleitet hat, lange in mir geschlummert hat und jetzt eben ausgebrochen ist. Das alles war jedoch nie eine bewusste Entscheidung, sondern kam in manch speziellem Moment wieder hervor, als mich die Themen beschäftigt haben, die in diesen Kapiteln vorkommen sollten. Ein interessanter Aspekt, dass man in vollkommen unterschiedlichen Lebensabschnitten Dinge hervorholen kann, die einen irgendwann einmal beschäftigt hatten. Es ist, als hätte man die rezipierte Musik in die eigene DNS aufgenommen.

Unter den zahlreichen Bonustracks verbirgt sich ein weiterer Exot und ein absolutes Highlight: „Nessaja“ von Peter Maffay. Welche Kindheitserinnerungen verbindest du mit diesem wunderschönen Lied?

Asp: Ehrlich gesagt habe ich gar keine Kindheitserinnerungen an den Song, denn ich war schon groß, als ich das Stück über andere Leute bekommen habe. Als der Titel damals erschien, hatte ich gerade mein erstes Mercyful-Fate-Album bekommen, aber ich hatte natürlich Leute in meinem Freundes- und Bekanntenkreis, die das hörten. Später habe ich das sehr intensiv gehört, da ich ja dieses innere Kind auch heute noch mit mir herumtrage. Aus diesem Grund konnte ich so eine Nummer damals wie heute schon immer auch genießen. Das war schon etwas Besonderes zu jener Zeit, dass es so noch nicht gegeben hatte: Rockmusik für Kinder. Ich selbst war da wie erwähnt eher auf dem Metal-Trip, aber ich habe noch nie in Schubladen gedacht. Hier wird eine wundervolle Geschichte erzählt. „Tabaluga oder die Reise zur Vernunft“ als Album ist toll, aber „Nessaja“ ist überragend! Da kommt der Rest emotional nicht ran, das ist der große Moment. Zwar wurde das Stück schon von den verschiedensten Künstlern gecovert, die eine oder andere Version davon habe ich auch gehört, und ich hoffe, dass es uns mit Respekt gelungen ist.

Selbst wenn „Nessaja“ nur ein Bonustrack ist, darf man denn darauf hoffen, dass so ein Stück eines Tages in dein Live-Set wandert?

Asp: Man soll niemals nie sagen, denn vor drei Jahren hätte ich auch noch nicht gedacht, dass „I Am a Rock“ einmal in unser Live-Programm kommt. Dieses Mal sieht es jedoch anders aus, weil unsere Set-Liste so picke-packe voller neuer Stücke ist. Wir können nicht auf eine „Kosmonautilus“-Tour gehen und nur zwei Songs daraus spielen, das käme für mich nicht in Frage. Es werden einige sein, und dennoch können wir keine drei Stunden spielen. Das heißt, es fliegen andere Stücke raus, und da dann noch eine Cover-Version einzubauen, das würde selbst mir wehtun.

Aber wir werden sehen, denn danach kommen eine neue Tour und eine neue Set-Liste. Es würde auf jeden Fall Spaß machen, „Nessaja“ eines Tages live zu spielen. Die kommende Tournee wird auch einige Überraschungen in sich bergen. Songs, die sich die Fans wünschen, aber auch solche, die sie sich nicht wünschen, aber ich mir wünsche. Es ist nicht einfach, ein solches Set zu erstellen, denn selbst auf dem „zutiefst“-Album waren so viele tolle Stücke, die wir nur ungern aus dem Programm werfen, da sie neue Live-Hits für uns geworden sind. Dennoch versuchen wir bei ca. zwei Stunden zu bleiben, denn sowohl die Fans als auch die alten Herren auf der Bühne sind nach einer zweistündigen emotionalen Achterbahnfahrt natürlich platt. Das ist schön, aber auch anstrengend.

Wie gehst du denn bei der Wahl des Support-Acts vor, hast du dich hier schon entschieden?

Asp: Wir haben eine junge Dark-Rock-Band aus Saarbrücken mit im Gepäck, die sich TwoMindsCollide nennt. Das kam dadurch zustande, dass wir uns kennen, da ihr Sänger und Hauptsongwriter Lias Schwarz zuvor bei der Band Spielbann mitgewirkt hatte, an der ich selbst nicht ganz unbeteiligt war. Wir haben uns nicht aus den Augen verloren, denn Lias ergänzte uns auf der Jubiläumstour, als wir uns den Spaß gegönnt haben, unsere eigene Support-Band zu sein. Dafür holten wir uns Lias noch zusätzlich ins Boot, und so kam es, dass seine neue Band die erste Wahl für die kommende Tournee war. Denn was gibt es Schöneres, als mit Freunden gemeinsam unterwegs zu sein? Das wird eine interessante Kombination, denn die Band macht ordentlich Alarm und spielt ein amtliches Rockbrett. Sie haben ein tolles Album gemacht, und ich freue mich wirklich sehr darüber, dass sie uns begleiten.

Das Album besitzt ein extravagantes und sehr aussagekräftiges Cover-Artwork, geschaffen von Thomas Klieber, und ist im Innenteil mit weiteren Bildern sowie tollen Fotos von Heilemania illustriert. Abermals gelingt dir damit ein tolles Gesamtpaket, worauf du stets sehr viel Wert legst.

Asp: Dieses Artwork hätte ich so nicht für möglich gehalten. Ich war sehr happy mit dem, was Timo Wuerz in den vergangenen Jahren für uns getan hatte, und dem Meisterwerk, das er mit „zutiefst“ abgelegt hat. Aber ich wollte für „Kosmonautilus“ eine andere Bildsprache benutzen und bin von dem Ergebnis unglaublich begeistert. Die Bilder, die wir nun haben, machen das Ganze unheimlich wertig und die einzelnen Formate, wie z. B. das Earbook so viel kostbarer. Wir hatten eine Planungsphase von rund zwei Jahren mit Thomas angesetzt, und ich musste mich früh entscheiden, was ich da sehen möchte, noch bevor ich überhaupt eine Note geschrieben hatte.

Das wir dazu dann auch noch tolle, passende Fotos bekommen haben, war ein unfassbares Glück. Welche Bilder Heilemania in seinem Kopf entstehen lassen kann, macht mich sprachlos. Das war ein unfassbar konstruktives, zielgerichtetes Arbeiten, das mich unheimlich beeindruckt und mir sehr viel Spaß gemacht hat. Beide wussten genau, wie sie am Ziel ankommen. Dabei hatten wir viele verrückte Sachen gemacht, die wir alle noch ins Layout einbinden wollten, und am Ende vieles anders gemacht, als ursprünglich geplant war.

 

ASP –KOSMONAUTILUS TOUR 2020

16.01.2020 – Saarbrücken, Garage
17.01.2020 – Pratteln, Z7 (CH)
18.01.2020 – München, Backstage Werk
23.01.2020 – Würzburg, Posthalle
24.01.2020 – Oberhausen, Turbinenhalle
25.01.2020 – Wiesbaden, Schlachthof
30.01.2020 – Hannover, Pavillon
31.01.2020 – Leipzig, Haus Auensee
01.02.2020 – Stuttgart, Im Wizemann
06.02.2020 – Hamburg, Markthalle
07.02.2020 – Berlin, Huxleys Neue Welt
08.02.2020 – Erfurt, Central
13.02.2020 – Memmingen, Kaminwerk
14.02.2020 – Wien, Simm City (A)
15.02.2020 – Dresden , Alter Schlachthof

Tickets unter: https://www.aspswelten.de/shop/kosmonautilus-tour..69

Lisa Berg
Lisa Berg
Über mich: Ich, 26 Jahre alt, habe Punk-, Deutschrock und Metal quasi mit der Muttermilch aufgenommen. Frühzeitig von meinen Schwestern mit "Die Toten Hosen" beschallt, hat mich das Fieber endgültig auf meinem ersten "Die Ärzte" Konzert 2007 erwischt. Heute stolpert man mir regelmäßig auf diversen Konzerten und Festivals über die Füße. Im Gegensatz dazu verdiene ich ganz seriös meine Brötchen als Grafikerin für den Printbereich. Mein Motto? "Das Leben ist zu kurz für schlechte Musik"
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