In Extremo – TRANQUILO II – VÖ: 23.10.2026

Über drei Jahrzehnte Bandgeschichte, unzählige Konzerte und Songs, die längst zum festen Inventar der Mittelalter-Rock-Szene gehören. Eigentlich könnte man sich gemütlich zurücklehnen. In Extremo macht allerdings genau das Gegenteil. Mit TRANQUILO II nehmen die Spielleute ihre eigene Vergangenheit auseinander und setzen sie musikalisch völlig neu zusammen. Aus bekannten Klassikern, selten gespielten Fan-Favoriten und einem brandneuen Song entsteht ein Album, das seinesgleichen sucht.

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Wer bei TRANQUILO II einfach 17 bekannte In Extremo Songs in einer etwas leiseren Akustikversion erwartet, dürfte ziemlich schnell überrascht sein. Die Songs wurden nicht einfach heruntergedreht, sondern teilweise komplett neu arrangiert. Swing, Rockabilly, Ska und Reggae mischen sich mit historischen Instrumenten und der unverkennbaren Handschrift der Band. Gerade darin liegt der Reiz des Albums. Plötzlich entdeckt man an Liedern völlig neue Seiten, die man vielleicht schon hunderte Male gehört hat. Vertraute Melodien bekommen eine andere Dynamik, bekannte Refrains wirken plötzlich ungewohnt und manches Stück entwickelt dadurch sogar eine ganz eigene Persönlichkeit.

Tracklist:
1. Störtebeker
2. Sternhagelvoll
3. Spielmannsfluch
4. Liam
5. Frei zu sein
6. Feine Seele
7. Rasend Herz
8. Weckt die Toten
9. Heute wird der Himmel brennen
10. Feuertaufe
11. Blutmond
12. Gaukler
13. Nur ihr allein
14. Troja
15. Lebensbeichte
16. Quid Pro Quo
17. Herr Mannelig
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18. Sternhagelvoller – Bonus EP
19. Amontilado – Bonus EP
20. Ave Maria – Bonus EP

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Zwischen Spielmann und Spieltrieb

Bei aller Experimentierfreude bleibt aber immer diese ganz besondere DNA der Band erhalten. In Extremo war schließlich schon immer dann am stärksten, wenn sie musikalische Grenzen ignoriert hat. TRANQUILO II führt diesen Gedanken konsequent weiter und zeigt, dass Mittelalter-Rock nicht zwangsläufig nach bekannten Mustern funktionieren muss. Besonders interessant ist dabei der Umgang mit den eigenen Klassikern. „Spielmannsfluch“, „Nur ihr allein“, „Rasend Herz“ oder „Herr Mannelig“ tragen ihre Geschichte bereits in sich und bekommen hier trotzdem noch einmal die Chance, ganz neu entdeckt zu werden. Die Texte bleiben dieselben, aber doch klingen sie so besonders.

Besonders spannend wird es bei den verschiedenen Gästen. Bei „Störtebeker“ treffen Micha Rhein und Jan „Monchi“ Gorkow von Feine Sahne Fischfilet aufeinander, während Max Bobzin mit seiner Trompete zusätzliche Farbe ins Spiel bringt. Was auf dem Papier zunächst nach einer ungewöhnlichen Kombination klingt, funktioniert gerade deshalb, auch wenn es sich erst einmal ungewohnt anfühlt – ungewöhnlich, aber gut. Noch einmal ganz anders präsentiert sich „Feine Seele“ mit Doro. Die Metal-Legende und Micha verleihen dem Song eine besondere Intensität, während Laura Fella von Faun bei „Liam“ in der deutschen Version eine weitere musikalische Farbe beisteuert. Drei Begegnungen, drei unterschiedliche Facetten und genau dadurch wird deutlich, wie weit In Extremo ihren musikalischen Horizont inzwischen aufgespannt hat.

Ein Blick nach vorn

Mit „Heute wird der Himmel brennen“ findet sich außerdem ein komplett neuer Song auf dem Album. Damit bleibt TRANQUILO II nicht ausschließlich eine Reise zurück durch mehr als drei Jahrzehnte Bandgeschichte, sondern öffnet gleichzeitig eine Tür nach vorne. Ebenso findet man auf der Bonus EP einen weiteren Neuling: „Amontilado“. Beide unveröffentlichte Songs fügen sich auf ihre Weise in das In Extremo-Universum ein. Und genau das passt ziemlich gut zu ihnen. Denn bei einer Band, die seit ihren Anfängen immer wieder Grenzen verschoben und Erwartungen ignoriert hat, wäre ein reines Nostalgiealbum ohnehin die langweiligere Variante gewesen.

Fazit:
Was zunächst wie eine Rückkehr zu einem sechzehn Jahre alten Konzept klingt, entwickelt sich damit zu deutlich mehr. TRANQUILO II zeigt In Extremo von einer Seite, die man so vielleicht nicht unbedingt erwartet hätte. Mal ruhiger und beinahe intim, mal verspielt und überraschend tanzbar, mal mit ganz neuen musikalischen Einflüssen. Und genau darin liegt für mich die große Stärke dieses Albums. Die Band versucht nicht, ihre Vergangenheit zu kopieren. Sie nimmt sie mit, verändert sie und lässt daraus etwas Neues entstehen.

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Ein neues Abenteuer

Zugegeben, ich hatte etwas völlig anderes erwartet, als ich jetzt letzten Endes bekommen habe. Bei dem Begriff Akustikalbum denke ich automatisch an ruhige Songs und an etwas zum Herunterkommen. Tja, TRANQUILO II hat mir dann wohl etwas anderes bewiesen. Nämlich, dass ich meinen Hintern verdammt nochmal unglaublich gut zu Akustiksongs bewegen kann. Tanzen macht auch bei diesem Album unheimlich Spaß. Zu meinen absoluten Favoriten zählen hier definitiv der „Spielmannsfluch“, „Frei zu sein“, „Troja“ und „Herr Mannelig“. Umso tanzbarer, umso besser. Auch wenn mich persönlich In Extremo seit weit über 20 Jahren begleitet, so überrascht mich die Band doch bis heute noch. Kaum neue Songs, fast nur neue Gewänder und ich finde es fast abartig geil. Diese Band wird mir wohl niemals langweilig. Auch wenn ich mich über ein neues Rockalbum genauso gefreut hätte, gibt es von mir 4,5 von 5 Sternen. Der Grund für den halben Punkt Abzug darf gerne mit einem Augenzwinkern betrachtet werden, da ich fast alles schon kannte. Beim nächsten Mal freue ich mich dann hoffentlich wieder ausschließlich auf Neuware.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

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Redaktion

Als Kind der 90er bin ich vor allem mit Rock aufgewachsen. In meiner Jugend wurde ich dann mit Hilfe von Mittelalter-, Goth- und Metaleinflüssen zu dem Menschen geformt, der ich heute bin - und auf eben genau diesen Menschen bin ich heute verdammt stolz!
Ich nehme jede Erinnerung mit, die ich kriegen kann… Wann ist nochmal das nächste Konzert?

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