Songwriting bei JEANLUC: Wenn die nächsten zwei Alben im Kopf schon fertig sind

Wie entsteht eigentlich ein Song? Sitzt da jemand mit einem genialen Geistesblitz und plötzlich ist alles da? Oder wird so lange geschraubt, probiert und wieder verworfen, bis es irgendwann passt? Bei unserer zweiten Band im „Songwriting deiner Lieblingsband“-Interview haben wir genau da nachgehakt und mit JEANLUC über Demos, verworfene Ideen, Tränen und natürlich die Songs gesprochen, die am Ende doch noch ihren Weg aufs Album gefunden haben.

VRR: Wenn bei euch ein neuer Song entsteht, ist das ein geplanter Schritt oder pures Chaos im Proberaum? Wer schnappt sich Stift und Papier, wer dreht die Verstärker auf und drückt dem Ganzen seinen Stempel auf?

JEANLUC: Das ist wirklich von Song zu Song unterschiedlich. Aber so richtiges Chaos gibt es bei uns eigentlich nur dann, wenn man anfängt, die Dinge unnötig kompliziert zu machen und sich ein Arrangement im Nachhinein immer wieder verändert. Bei uns hat sich das inzwischen ganz gut eingespielt. Toby oder ich (Hansi) setzen uns zu Hause hin und bauen erst einmal eine Demo. Die nehmen wir dann mit in die Probe, hören sie uns gemeinsam an und schauen, ob der Song überhaupt das Zeug für die nächste Runde hat. Wenn er es schafft, arbeiten wir alle gemeinsam daran weiter. Wir machen das aber schon lange nicht mehr in diesen endlosen Proberaum-Sessions. Jeder kann sich zu Hause in Ruhe mit dem Song beschäftigen und wir tauschen uns online aus. Das ist für uns einfach entspannter und meistens auch effektiver.

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Foto: JEANLUC

VRR: Wie viel Schweiß, Streit und Wahnsinn stecken in eurer Vorarbeit? Entstehen eure Songs aus nächtlichen Exzessen, klaren Visionen oder aus einem kreativen Zusammenstoß im Bandkeller?

JEANLUC: Also Schweiß und Tränen gibt es bei uns eher weniger. Was es gibt, ist manchmal Frust. Vor allem dann, wenn man stunden- oder tagelang an einem Song sitzt und am Ende nur noch denkt: „Hmm, neeee.“ Das wäre wahrscheinlich der Moment, an dem es auch mal Streit geben könnte. Ist bei uns bisher aber tatsächlich noch nicht passiert. Wir sind da ziemlich tiefenentspannt und wissen auch, dass so eine Demo eben erst einmal eine Demo ist. Und nur weil ein Song es nicht direkt auf die Prioritätenliste schafft, heißt das ja nicht, dass er für immer verschwunden ist. „Meilenweit“ ist dafür ein gutes Beispiel. Der Song war irgendwann erst einmal raus und hat es später dann doch wieder ins Rennen geschafft. Toby und ich (Hansi) können uns außerdem ziemlich lange mit neuen Sounds beschäftigen. Da geht schon mal eine Menge Zeit drauf. Ich glaube, wenn es danach geht, haben wir im Kopf schon die nächsten zwei Alben fertig.

Emotionen und Bierdosen-Akustik

VRR: Hand aufs Herz, gab es bei der Entstehung eines Songs schon einmal eine Story, die eigentlich nicht an die Öffentlichkeit soll? Irgendeinen Moment, bei dem ihr dachtet: „Genau das ist Rock ’n’ Roll“?

JEANLUC: Nein, eigentlich nicht. Wenn es eine Geschichte gibt, die man sich merken sollte, dann wahrscheinlich die von „Meisterwerk“. Und ausgerechnet die hat mit dem klassischen Rock ’n’ Roll-Bild überhaupt nichts zu tun. „Meisterwerk“ wurde unter Tränen komponiert und geschrieben. Dass genau dieser Song dann am Ende aufs Album gekommen ist und sogar noch ein Musikvideo bekommen hat, macht die ganze Geschichte irgendwie besonders. Wenn man das alles erzählen würde, könnte man daraus wahrscheinlich fast einen eigenen Film machen.

VRR: Wie roh sind eure ersten Demos wirklich? Mehr Garagen-Charme mit Bierdosen-Akustik oder schon fast veröffentlichungstauglich? Und wo passiert dieser erste magische oder chaotische Moment?

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Foto: JEANLUC

JEANLUC: Unsere Demos sind meistens schon ziemlich weit ausgearbeitet. Sowohl musikalisch als auch textlich. Also eher weniger „schnell mal mit dem Handy im Proberaum aufgenommen“. Die eigentliche Magie kommt für uns aber erst später dazu. Nämlich dann, wenn jeder aus der Band seinen eigenen Teil eingebracht hat. Wir können zwar alle ein paar Instrumente spielen, aber keiner von uns spielt ein Instrument so gut wie derjenige, der es normalerweise in der Band spielt. Und genau dieser Austausch ist jedes Mal spannend. Wenn man plötzlich merkt, wie aus der ursprünglichen Demo wirklich ein gemeinsamer Song wird.

Geistesblitz oder Perfektionisten

VRR: Vom ersten Geistesblitz bis zum fertigen Track: Seid ihr Schnellzünder oder Perfektionisten, die so lange feilen, bis die Funken sprühen? Wie lange dauert es, bis aus einer Idee ein fertiger Song wird?

JEANLUC: Das ist wahrscheinlich die Frage, auf die kein Musiker dieser Welt eine vernünftige Antwort geben kann. Manche Songs brauchen einfach ewig und andere sind plötzlich an einem Abend fertig. Bei uns war „Wieder bei dir“ der Song, an dem wir am längsten gearbeitet haben. „Kein letzter Kuss“ war dagegen ziemlich schnell fertig. Wobei „Wieder bei dir“ seinen Titel als längster Song vielleicht bald wieder abgeben muss. Da ist also möglicherweise schon ein neuer Kandidat unterwegs.

Und genau das ist ja auch das Spannende am Songwriting. Man weiß vorher einfach nie, was aus einer Idee wird. Manchmal ist sie nach ein paar Stunden fertig und manchmal begleitet sie einen über Wochen oder sogar Monate. Vielleicht ist genau das der schönste Teil am Songwriting. Man kann es nicht erzwingen. Manche Ideen sind sofort da, andere brauchen ihre Zeit und manchmal kommt ein Song zurück, von dem man längst dachte, er wäre Geschichte. Bei JEANLUC scheint jedenfalls klar zu sein, dass es musikalisch so schnell nicht langweilig wird. Und wenn die Jungs wirklich schon zwei Alben im Kopf haben, dürfen wir gespannt sein, was daraus noch alles entsteht.

Titelbild Songwriting bei JEANLUC: Wenn die nächsten zwei Alben im Kopf schon fertig sind

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