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RuhrRockRausch Oberhausen – Crewlife #2

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Lesedauer
4 Minuten

Ich muss gestehen, dass es mir diesmal sehr schwerfällt, die richtigen Worte zu finden. Ich hätte allen Grund dazu durch das Erlebte noch völlig euphorisiert zu sein, aber das bin ich nicht. Ich war auch bei weitem nicht so aufgeregt wie noch vor meinem ersten Einsatz bei Rockwasser, was letztendlich an dem Umstand liegt, dass wir uns bei Eizbrand von zwei tollen Menschen verabschieden mussten. Das RuhrRockRausch verdient aber meine Mühe hier, und daher reiß ich mich jetzt mal kurz zusammen, bevor ich Dennis und Vanessa noch ein paar Zeilen widmen möchte.

Zu Gast bei Freunden

Gleich am Anfang des Jahres starteten wir mit einem meiner Highlights im Festivalkalender, was vor allem daran lag, dass ich die Veranstalter Kasi und Ossi schon eine ganze Weile kenne und wir auch privat recht guten Kontakt pflegen, obwohl uns ein paar hundert Kilometer trennen. Die beiden haben es geschafft, mit dem gesamten Team der „Sternspritzer“ einen festen Festivaltermin ins Ruhrgebiet zu holen, und bei dieser herausragenden Organisation ist das auch kein Wunder. Sämtliche Wünsche und „Extrawürste“, die wir für eine standesgemäße Verabschiedung zweier uns so wichtigen Menschen geäußert hätten, wurden zur Zufriedenheit aller anstandslos umgesetzt und dafür möchte ich mich, auch im Namen des EBSC, einfach nur bedanken.

Die Arbeit ruft

Die ganzen Rahmenbedingungen haben mich meine Nervosität, die ich beim letzten Mal noch hatte, im Grunde vollständig ablegen lassen. Aufbau des Drumsets ging locker von der Hand, trotz der Tatsache, dass mein Drummer die von mir angefertigte Aufbauanleitung bei sich zu Hause vergessen hatte. In die Hose geschissen habe ich mir erst, als er mich 15 Minuten vor Stagetime „bat“, doch „mal eben“ den Linecheck mit dem Techniker zu machen. Ehrlich gesagt wusste ich in dem Moment nicht, ob ich ihm für sein Vertrauen danken, oder einfach für diesen Wahnsinn eine verpassen sollte. Da er aber, wie ihr sicher wisst, aufrecht hinter seinem Schlagzeug saß, hab ich mich dann doch für Ersteres entschieden. Nach kurzer Einweisung beim Techniker, was ein Linecheck überhaupt ist (ja, ich bin wirklich so grün hinter den Ohren), saß ich also schon vor knapp 1000 Leuten am Schlagzeug und war überaus erleichtert als ich merkte, dass die mich überhaupt nicht hören können, sondern nur der Techniker. Hätte man mir natürlich auch vorher sagen können, aber dann hätte Sascha den Moment als ich blass wurde, sicher nicht so auskosten können, wie mir sein hämisches Grinsen verriet. Aber hey, jeder fängt irgendwann mal an, und warum nicht einfach ins kalte Wasser werfen. Vom 10er. In ein Becken mit Eis gefüllt. Mit verbundenen Augen.

Den eigentlichen Plan, alles abzubauen, während Dennis in Ruhe verabschiedet wird, musste ich bereits nach den ersten Handgriffen verwerfen. Sascha vertilgt während eines Konzerts kiloweise Zwiebeln, müsst ihr wissen, und mit so viel Wasser in den Augen lässt sich einfach nicht konzentriert arbeiten. Außerdem hatte Dennis auch eine Verabschiedung verdient, ohne dass ich direkt hinter ihm wie vom Affen gebissen rumwusel. Daher stand uns sehr viel weniger Zeit für alles zur Verfügung, aber der Stress anschließend war es Wert, dass man an der Stelle kurz innehalten konnte, um den Mann mit Applaus von der Bühne gehen zu lassen.

Merch ärgere dich nicht

Die Merchmeile war in der Turbinenhalle etwas spezieller, als in anderen Locations, denn in der Regel findet man die jeweiligen Stände in der eigentlichen Konzerthalle. Nicht so in der Turbinenhalle, wo es im Eingangsbereich, eine Etage unter der eigentlichen Eventstätte, mehrere kleine Verkaufsfenster gab, die unsere Mercher Ines, Vanessa und Passel, vor besondere Herausforderungen stellte. Hinzu kam noch ein Veto des Brandschutzbeauftragten des Ordnungsamtes, der mit der mitgebrachten Merchmenge, und der dafür nicht ausgelegten Verkaufsfläche, nicht einverstanden war. Aber auch hier hat das RuhrRockRausch-Team in Zusammenarbeit mit unseren Merchern hervorragende Arbeit geleistet, denn kurzerhand wurde ein Lagerort geschaffen, wo größere Lagerbestände zwischengelagert werden konnten, und sich so immer nur ein kleiner Teil des Merches in der eigentlichen Verkaufsfläche befand. Wurde Merch verkauft, wurde dieser durch zahlreiche Fußmärsche zum Lagerort wieder aufgefüllt und es konnte sowohl alles angeboten, als auch alle Auflagen erfüllt werden. Großes Lob an diese Organisation der Mercher, Veranstalter und Ordnungskräfte.

Dennis und Vanessa

Ich hoffe es wird jetzt nicht all zu sentimental, aber ich komme nicht umher noch ein paar Worte an die beiden zu richten.

Oft hört man in Danksagungen die Worte: Ohne euch wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Ob das wirklich stimmt, oder nur eine Floskel ist, lässt sich häufig nur schwer nachvollziehen. Aber in meinem Fall trifft das auf euch beide definitiv zu. Kennengelernt haben meine Frau und ich zuerst nur Vanessa auf dem Alpenflair 2017. Die beiden waren damals noch frisch verliebt und daher auch noch gar nicht zusammen zu diesem Festival angereist, was zwangsläufig dazu führte, dass halt telefonisch der Kontakt aufrechterhalten werden musste. Ich will gar nicht zu sehr ins Detail gehen, vor allem weil Dennis das hier vermutlich lesen wird und die Erinnerung daran sowas wie ein Vietnamflashback auslösen würde.

Aber so viel sei verraten: Unsere Frauen hatten so viel Schnaps gesoffen, dass die mich angeschissen haben, ob ich zu doof wäre, eine neue Pulle aus dem Zelt zu holen, bis sie selbst enttäuscht feststellen mussten, dass die tatsächlich schon alles leer gesoffen haben. Auf diesem einseitigen, intellektuellen Niveau, geprägt von zwei gackernden Weibern, fand also dieses Telefongespräch statt. Und dass der Mann anschließend nicht lachend in eine Kreissäge gelaufen ist, sondern die Frau auch noch geheiratet hat, ist wohl der größte Liebesbeweis, den ich je miterleben durfte. Aber wie es schon die Gravur im Ehering der Schiefners sehr treffend formuliert: selber Schuld. Ich schweife ab.

Jedenfalls fand ich irgendwann heraus, dass der Mann, den ich in den Pinkelpausen der Frauen weiter in der Leitung bespaßen musste, der Gitarrist von Eizbrand ist. Eizbrand war zu diesem Zeitpunkt höchstens sehr szenekundigen Fans ein Begriff. Jedoch durch die dort entstandene (wenn auch wegen der entfernten Wohnorte leider etwas weniger intensive) Freundschaft, war Eizbrand fortan zumindest als Fan Teil meines Lebens. Was mit den Jahren aus Eizbrand wurde weiß jeder, alles wurde größer, besser, und vieles hat sich entwickelt und verändert. Die Schiefners blieben aber immer gleich. Sie sind und waren immer die gleichen zwei sympathischen Menschen, wie ich sie kennengelernt habe. Ein Powercouple, wie es im Buche steht. Und wenn mich irgendwas darüber hinwegtröstet, dass die beiden nun nicht mehr länger ein aktiver Teil der Band sind, dann die Tatsache, dass sie nun aus der Zeit, die sie füreinander haben, mit Sicherheit das Beste herausholen.

Ohne die beiden wäre ich nie in diesen Kosmos von Eizbrand geraten, wäre ich nicht dort wo ich jetzt bin und ebenfalls ein passiver Teil dieser Band. Und dafür möchte ich mich bedanken. Danke für eure Unterstützung, danke für die vielen gemeinsamen Stunden, und danke für eure Freundschaft. Ihr werdet uns allen fehlen, das ist sicher. Aber dass ihr nun das Beste aus eurer Ehe herausholen werdet, auch. Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Wir sehen uns, vielleicht auch irgendwann mal wieder auf einem Konzert. Macht’s gut ihr zwei, Keep on rockin’.

Autor: Carsten Hauseur (Crewlife)

Infos zu Carstens Projekt “Crewlife” findet ihr hier:

Crewlife – Behind the Scenes of Rock’n Roll

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