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Saltatio Mortis – “Brot und Spiele” Albumreview VÖ 17.08.2018

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Während uns Saltatio Mortis nun geschlagene drei Jahre haben schmoren lassen, drückten die acht Spielleute musikalisch sowie textlich auf das Gaspedal und veröffentlichen ihr nunmehr elftes Studioalbum „Brot und Spiele“. Geschuldet ist die Zeitspanne nicht nur den vielen, häufig ausverkauften Konzerten und Festivals, auf denen sie Fans des Mittelalterrocks ordentlich einheizten. Viel mehr wurde am Sound und an den Liedern gefeilt, bis auch der letzte restlos überzeugt war, dass die entstandenen Stücke würdige Nachfolger des Chartstürmers „Zirkus Zeitgeist“ sind.

Zur Sache

(c)Universal Music

Eingeleitet wird das Album mit „Ein Stück Unsterblichkeit“. Zunächst bedächtig, bekommt der Dudelsack Raum zu wirken, um dann das Tempo anzuziehen und nahtlos in „Große Träume“ überzugehen. Anspornende rockige Riffs mit markanten Dudelsackfanfaren vertonen ein Lebensgefühl, bei dem es um mehr geht, als die Geschichte einer Band, die in die Welt auszieht, um sie zu erobern. Erwischen wir uns dabei vielleicht auch selbst auf der Suche nach einem Stück Unsterblichkeit?

Mit „Spur des Lebens“ wird es musikalisch ruhiger, aber thematisch nicht weniger kritisch. Passend unterstützt von der weiblichen Stimme Marta Jandovás, erzählt der Song von einem hypothetischen Kind, welches in eine Gesellschaft voller Dummheit, Neid und Gier geboren würde. Der Drang nach Unsterblichkeit ist auch hier wieder präsent, so heißt es: „Es fällt mir schwer, mich für dich zu entscheiden. Für dich mein Kind, meine Spur die bleibt“.

Zentral im Album platziert, befindet sich der namensgebende Song „Brot und Spiele“. Unter dem Deckmantel eines mittelalterlich erscheinenden Titels, bricht aktuelle Medienkritik hervor. Unterstrichen wird diese vom harten metallischen Klang.

Saltatio Mortis haben sich zudem nicht lumpen lassen und Malte Hoyer (Versengold) sowie Mr. Hurley (Mr. Hurley & die Pulveraffen) als musikalische Gäste eingeladen. Zu hören sind sie in dem Track „Mittelalter“, der zum launigen Schunkeln animiert. Absolut tanzbarer Ohrwurm einer feucht-fröhlichen Nacht.

„Und müssten wir gerettet werden, dann nicht durch dich, sondern vor dir“. Ein bezeichnendes Zitat aus dem Titel „Besorgter Bürger“, der offen und direkt mit Rassismus und Faschismus aufräumt. Damit positionieren sie sich als Band deutlich, wie wir es von ihnen gewohnt sind.

Unangepasst und frei ist die Protagonistin in „Sie tanzt allein“. Mit eingängigem, treibendem Sound hinterlässt es uns ein unbeschwertes Gefühl und bildet den runden Abschluss des Albums.

Hymnische Rhythmen und einprägsame Refrains

(c)Universal Music

Trotz der historischen Instrumente wirkt der Sound alles andere als veraltet – im Gegenteil. Saltatio Mortis schaffen es, ihre Lieder zeitgeistig zu arrangieren und wirken damit aktueller denn je. Hymnische Rhythmen und einprägsame Refrains stacheln zum taktvollen Herumschleudern der eigenen Extremitäten an. Gespickt mit Balladen wie „Spur des Lebens“ bleibt dabei Raum für instrumentale Finessen, Gefühl und packendes Songwriting. Durch die prägnante Stimme von Frontmann Alea und die atmosphärischen Dudelsäcke entsteht der typische Klang, den Saltatio Mortis unverkennbar ausmacht. Es ist ein Album entstanden, bei dem ein musikalisches Highlight das nächste jagt und es dennoch in sich geschlossen ein harmonisches Gesamtwerk ergibt. Zwischen schmissigen Gassenhauern setzen sie immer wieder mit gesellschaftskritischen Texten ein Statement, welches die aktuelle Ausrichtung der Band deutlich macht. Problemlos wird „Brot und Spiele“ das Vorgängeralbum vom Erfolgsthron schubsen, um selbst darauf Platz zu nehmen.

Außerdem finden sich auf der Bonus CD „Ad Fontes“ 13 weitere akustische Perlen, die zum Teil aus altbekannten, aber auch brandneuen Songs bestehen. Wer nach zwei CDs mit insgesamt 26 Tracks noch nicht genug hat, findet im neuen Album „Akephalos“ von Unzucht einen weiteren kleinen Schmankerl. Ab Oktober gehen Saltatio Mortis auf „Brot und Spiele“-Tour und wer schon mal einen ihrer Auftritte gesehen hat, weiß dass man das nicht verpassen sollte. Tickets und Tourdaten hier.

Lisa Berg
Wenn ich mir so meine Insta-Seite angucke, denke ich immer, dass sieht so nach krassem Influencer high life aus. Dabei sitze ich am Rechner, schreibe ne Bedienungsanleitung für ne Software und esse fertigen Nudelsalat aus dem Rewe.

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