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Slime – SLIME 1 – Vinylperle von Schallbrecher Records und VRR

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In der heutigen Ausgabe der Vinylperlen gehen wir ein paar Jährchen in der Musikgeschichte zurück und widmen uns einer Band, genauer gesagt einem Album, welches wie wohl kaum ein anderes den Indizierungswahn von damals so deutlich aufzeigt. Die Rede ist diesmal von Slime und ihrem Album SLIME 1. Im Jahre 2022 veröffentlichten Slime ihr neuntes Studioalbum mit dem Titel ZWEI. Mit dem neuen Sänger Tex Brasket, welcher Dirk Jora ablöste, überraschten sie mit einem starken Lebenszeichen. Vor allem, wenn man sich die – zugegeben schon sehr lange – Bandhistorie anschaut, die 1979 ihren Ursprung fand und von Indizierungen, Hausdurchsuchungen und manch anderer Probleme begleitet war. Da gleicht es schon einem Kraftakt, beziehungsweise zeugt von viel Selbstbewusstsein der Hamburger Jungs.

Aus 5.000 Mark wurden 80.000 Pressungen

Dem ersten Album von Slime ist eine EP/Mini-Album mit dem Titel WIR WOLLEN KEINE BULLENSCHWEINE vorausgegangen, welche ein Jahr nach der Bandgründung veröffentlicht wurde. Und schon ein Jahr danach erblickte SLIME 1 das Licht der Welt. Das von der Band zusammengesparte Geld von 5.000,- DM wurde in Aufnahme und Pressung gesteckt und innerhalb weniger Tage in den Hamburger Raubbau-Studios eingespielt. Dass die Band mit ihrem Sound genau den Zahn der Zeit traf, zeigte sich in der Tatsache, dass sich die ersten 5.000(!) Exemplare innerhalb weniger Wochen schneller als geschnitten Brot verkaufte. Aufgrund des Erfolges ließ die Band dann satte 25.000 Exemplare nachpressen. Ein simpler Handschlagdeal mit dem Chef des noch jungen Indie-Labels Aggressive-Rockproduktionen verschaffte der Band nochmals an die 50.000(!) verkaufte Exemplare. Bedenkt man die ganze damalige Szene, welche sich aufgrund von chronischem Geldmangel die erstandenen Alben mit Kassettenkopien unter sich verteilte, sind diese Verkaufszahlen schon eine Nummer für sich.

Grottig hoch zehn

Foto: Jim Schatzmann

Sehen wir uns die Platte mal von der produktionstechnischen Seite an, muss man heute sagen, dass es grottig hoch zehn ist. Dennoch muss man fairerweise einige Komponenten der damaligen Zeit bedenken. Eine Aufnahme in einem Studio kostete unheimlich viel Geld und nicht jeder Punk hatte seinen gepimpten PC-Rechner zu Hause stehen, um jede seiner Ideen in fünf Minuten für die Nachwelt festzuhalten. Nein, hier wurde noch mit Bändern gearbeitet und eine Band musste funktionieren, um halbwegs etwas Gescheites zusammenzubekommen. Dennoch sind diese Aufnahmen, mit der aus heutiger Sicht nicht so guten Aufnahmequalität, absolut genial und verleihen den ganzen Songs unglaublichen Charme. Was wäre eine Jimi Hendrix Aufnahme heute wert, würde sie nach heutigen Studiostandards aufgenommen werden? Der Zauber wäre weg.

Und dem einleitend angesprochenen Indizierungswahn ist es auch zu verdanken, dass es gerade von diesem Album mehrere Versionen gibt. Wohl dem, der noch eine der ersten 5.000 Exemplare besitzt! Hier wurde alles herausgehauen: mit Störgeräuschen über den besagten Textstellen, dann mit gelöschten Textstellen, bis hin zur Doppel-LP im Gatefold-Cover mit zensierten Stellen, dafür aber mit Bonus-Tracks. Schreibt uns wieder euren Lieblingstrack des Albums an office@schallbrecher-records.at und gewinnt mit etwas Glück einen 15% Rabattgutschein auf euren gesamten Einkauf bei SCHALLBRECHER-Records. In diesem Sinne, lasst es euch gut gehen, euer Jim von SCHALLBRECHER-Records.

Redaktionell verantwortlich für diesen Artikel:

Macher bei SOZIALES HETZWERK, Autor von “Nine Lives” und Geschäftsinhaber von SCHALLBRECHER-Records, dem Online-Recordshop. “Guter Sound ist seit Kindestagen mein Lebensmotor. Überzeugter KISS-Fan seit über 40 Jahren, Black-Thrash-HeavyMetal begleiten mich heute noch jeden Tag, genauso wie Punk, Oi und Deutschrock. Hauptsache es ist echt und authentisch und knallt gut rein.

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