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Goitzsche Festival – Crewlife #6

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Lesedauer
6 Minuten

Zum zweiten Mal in diesem Festivalsommer verschlägt es Eizbrand, und somit auch mich, in den Osten der Republik. Diesmal führte uns die Reise nach Bitterfeld, wo Goitzsche Front zum Heimspiel, dem Goitzsche Festival einlud. Und zum zweiten Mal in diesem Jahr war die lange Anreise wirklich jeden Meter wert.

Die Anreise

Eigentlich hatte ich tatsächlich schon fürs Goitzsche Festival abgesagt, aus dem einfachen Grund, dass ich für mich keine Mitfahrgelegenheit, bzw. keine Zustiegsmöglichkeit gesehen habe. Die Route der Band und mir würde sich erst etwa 180 km weiter nördlich bei Kassel kreuzen, und auch zeitlich wäre mir das Gespann schon zwei Stunden voraus gewesen, da ich wegen der Kids nicht vor 8:00 Uhr morgens die Reise antreten kann. Da aber die Crew diesmal mit FOH Basti, Mercherin Ines und Bühnenprofi Günni sehr dünn war, entschieden wir gemeinsam, dass ich die insgesamt 800 km Fahrt ausnahmsweise alleine zurücklegen werde. Vor allem aus dem Grund, dass der Merch für eine Person alleine kaum zu bewerkstelligen ist. Somit machte ich mich Freitagmorgen auf den Weg Richtung Bitterfeld, voller Zuversicht meine zusätzliche und gleichzeitig auch neue Aufgabe am Merchstand, möglichst gewissenhaft zu erledigen.

Das Festival

Foto: Carsten Hauseur

Das Goitzsche Festival fand nach 2019 nun zum zweiten Mal statt. Anders als noch 2019, wo das Festival noch auf der Halbinsel Pouch stattfand, wich man 2022 auf den Stadthafen aus, womit man einen mindestens gleichwertigen Ersatz, was die Schönheit der Lokalität betrifft, fand. Das gesamte Festivalgelände inkl. Campingflächen lag am Wasser, was definitiv jede Menge Urlaubsfeeling versprühte. Da das Wetter, zumindest vorerst, wie wir alle später noch feststellen mussten, auch mitspielte, war die Stimmung bei allen fröhlich und ausgelassen.

Hinter der Bühne befand sich ein sehr großzügig angelegter Backstagebereich mit Platz für alle Fahrzeuge, (auch für den Nightliner, mit dem Kärbholz angereist war), Pavillons, die einen gesonderten Backstageraum bildeten und in denen man sogar eine Zapfanlage mit kühlem Bier vorfand, einem mit Liegestühlen ausgestatteten Treffpunkt für alle und einer Grillstadion, an der man kulinarisch mit bestem Grillgut versorgt wurde. Diverse Bierzeltgarnituren luden zum Essen, Trinken und Verweilen ein. Das ganze gepaart mit einer wundervollen Aussicht auf die Goitzsche, schafft es dieses Ambiente auf jeden Fall in meine Top 3, was den Schauplatz für die Ausrichtung eines Festivals betrifft. Der Osten kann nicht nur rocken, sondern auch verdammt schön sein.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Nach einem kleinen Rundgang über das Gelände und den ersten netten Gesprächen am Eingang mit den üblichen Verdächtigen des EBSC, die schon mehrere Stunden vor Einlass das Tor zum Glück besetzten, ging es für mich und Ines auch schon los mit dem Aufbau vom Merch. Somit startete der Arbeitstag für mich auch schon ungewöhnlich früh. Ines ist schon viele Jahre Mercherin bei Eizbrand und hat entsprechend Routine in jedem ihrer Handgriffe, und es war ihr ein leichtes mich neben dem Aufbau noch an den Arbeitsalltag eines Merchers heranzuführen. Ein kleiner Crashkurs in die Buchführung und Dokumentation der verkauften Artikel, sowie in der Anordnung der verschiedenen Merchartikel im Merchstand selbst, mussten in der Kürze der Zeit allerdings reichen, denn der Einlass ließ nun auch nicht mehr lange auf sich warten.

Foto: Carsten Hauseur

Bei der Begrüßung unserer Freunde von Artefuckt stellte sich heraus, dass auch deren Crew leider verhindert war, womit wir uns mit den Jungs kurzerhand darauf verständigten, zumindest ein kleines Sortiment von Artefuckt ebenfalls bei uns im Merch anzubieten. Ich denke, es ist für jede Band sehr unangenehm, ihren Fans die beliebten Fanartikel nicht anbieten zu können, weil hin und wieder mal die Crew zeitlich verhindert ist, daher finde ich es super, dass man sich über die eigentliche Band für die man arbeitet, so super versteht, dass uns auch Artefuckt ihren Merch anvertraut und zeitgleich auch überaus dankbar war. Wer weiß, wann es uns mal trifft und die Mercher ausfallen, und ich bin mir sicher, dass man sich dann auch seitens Artefuckt dafür revanchieren würde. Die Szene hält zusammen, auch, oder vor allem, hinter den Kulissen. Nachdem alle Arbeiten am Merch erledigt waren, hieß es aber erstmal rein ins kühle Nass der Goitzsche und die lang ersehnte Arschbombe ließ nicht mehr länger auf sich warten.

Ein Unwetter kommt selten allein

Das gerade noch wundervolle Wetter in Bitterfeld fand pünktlich zum Einlass ein schnelles Ende, als plötzlich ein Unwetter über dem Festivalgelände hereinbrach. Starke Regenfälle sorgten nicht nur für den verspäteten Beginn der Veranstaltung, sondern auch für eine eher schleppenden Ankunft der Besucher auf dem Festivalgelände. Sehr schade für die erste Band, zum Glück fanden die meisten der Besucher aber den Weg aufs Infield bis meine Jungs von Eizbrand um etwa 20:15 Uhr die ersten Töne erklingen ließen. Eine halbe Stunde zuvor habe ich bereits den völlig überfüllten Merch verlassen müssen, um mich meiner eigentlichen Tätigkeit auf der Bühne zu widmen. Viel zu tun hatte ich beim Aufbau des Drumsets allerdings nicht, denn Sascha und Artefuckt-Drummer Ulli hatten sich zwischenzeitlich schon darauf verständigt, gemeinsam mit dem Set von Ulli zu spielen, um die kurze Umbaupause möglichst stressfrei zu gestalten.

Foto: Carsten Hauseur

Somit ging mir Ulli selbst beim Umbau seiner Hardware für Saschas Spielzeit fleißig zur Hand und ich konnte mich den Nebenarbeiten wie Bühnenbild und die Verteilung der Setlisten und Getränke widmen. Nach dem Intro und dem ersten Song von Eizbrand, begab ich mich wieder zurück zum Merch und musste mitanhören, wie das Unwetter offenbar nicht ganz spurlos an der Technik vorbeiging, denn leider begleiteten Tonaussetzer das Set der Jungs. Auch für einen Vollprofi wie es Basti als FOH ist, ist in dem Moment im Grunde nichts zu machen, denn Wasser und Elektronik vertragen sich bekanntlich nicht so gut. Nach vier Songs legten die Jungs eine kurze Zwangspause ein, um sich zu beraten, betraten dann aber nach einem Technikcheck die Bühne wieder und spielten mit einer Streichung von zwei Songs ihr Set zu Ende. Das Publikum hat es ihnen aber in keiner Weise übelgenommen, bewiesen Fingerspitzengefühl für die Situation und sangen einfach immer dann weiter, wenn der Ton mal nicht wollte. Hut ab vor so einer tollen Chemie zwischen Band und Publikum, die alle das absolut Beste aus dieser bescheidenen Situation machten.

Ein Herz für Mercher

Nachdem ich mich für den Abbau wieder auf der Bühne einfand, begab ich mich kurz darauf wieder zum Merch zurück, um auch das letzte Fanherz mit einem entsprechenden Fanartikel höher schlagen zu lassen. Alles, was ich mir bisher unter der Tätigkeit eines Merchers nur vorstellen konnte, bestätigte sich letztendlich auch an meinem ersten Tag in diesem Job, auch wenn es diesmal nur aus der Not heraus geboren wurde. Die Arbeit ist definitiv anstrengender, und der Tag deutlich länger als der meiner. Im Grunde sind die Jungs und Mädels hinter dem Tisch die ersten, die starten und auch die letzten, die aufhören. Mein Tag war nun erst um ca. 23:30 Uhr vorbei, als auch wirklich die letzte Kiste den Weg zurück in den Bus fand und nicht schon dann, wenn die Bühnentechnik sicher im Bus verstaut ist, was meistens schon ca. eine Stunde nach Gigende der Fall ist.

Foto: Carsten Hauseur

Hinzu kommen wirklich stressige Augenblicke, wenn der Publikumsverkehr seinen Höhepunkt findet, die ständige Aufmerksamkeit gegenüber den Fans und deren Wünsche, die Suche nach dem Objekt der Begierde, dem kassieren, der korrekten Geldrückgabe, dem Dokumentieren des verkauften Artikels inkl. Kleidungsgröße etc. etc… Es hat mir trotz allem viel Spaß gemacht. Der Kontakt mit den Fans ist eine Sache, die mir daran am meisten gefällt, aber, wenn ich jetzt mal ganz ehrlich bin, tauschen würde ich nicht wollen. Ich hab’s schon gut da hinten, und nach der jetzigen Erfahrung, weiß ich dieses Privileg nur noch mehr zu schätzen, und vor allem hat sich jeder Mercher nun noch mehr Respekt bei mir verschafft, als er ohnehin schon hatte. Ihr seid alle der Hammer, und ich hoffe jeder „Kunde“, Veranstalter und/oder Künstler begegnet euch in Zukunft auch mit dem entsprechenden Respekt und allerhöchster Freundlichkeit, denn nichts anderes habt ihr auch nach zehn Stunden oder mehr verdient.

Fazit

Trotz meiner Doppeltätigkeit und dem damit verbundenen Stress, kam nie wirklich das Gefühl auf unter Stress zu stehen. Die Lokalität und die überaus entspannte Atmosphäre im ganzen Festivalbereich hatten eher was von Urlaub als von Arbeit, und das spricht ja prinzipiell immer für einen Arbeitsplatz, wenn man gar nicht merkt, dass man grade arbeitet. Ich kann nur erahnen wie schön es 2019 auf der Halbinsel Pouch gewesen sein muss, wenn der Stadthafen in Bitterfeld tatsächlich nur die zweite Wahl ist, denn davon merkt man absolut nichts. Sowohl hinter der Bühne, als auch im Infield werden die Gäste nach allen Regeln der Kunst umsorgt und ich glaube gesehen zu haben, dass es für die etwas über 2000 Gäste auf dem Festival ähnlich viele sanitäre Einrichtungen gab, wie für weitaus mehr Besucher auf anderen Festivals. Das Angebot an verschiedenen Speisen und Getränken fiel sehr üppig aus und somit sollte tatsächlich jeder Anwesende bei toller Livemusik auf seine Kosten gekommen sein. Somit war auch der zweite Trip in den Osten absolut lohnenswert und Goitzsche Front hat in Bitterfeld ein absolut geiles Heimspiel auf die Beine stellen können.

Autor: Carsten Hauseur (Crewlife)

Infos zu Carstens Projekt “Crewlife” findet ihr hier:

Crewlife – Behind the Scenes of Rock’n Roll

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