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Das war Rock-Dein-Leben 2022

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Lesedauer
7 Minuten

Vergangenes Wochenende brachte die dritte Auflage des Rock-Dein-Leben Festivals Laichingen zum Beben. Nachdem 2018 der Startschuss für das erste RDL fiel und auch 2019 ein voller Erfolg war, konnten Veranstalter Andy Kamm und sein Team erst in diesem Jahr wieder in die Vollen gehen. Das Line Up konnte sich – wie die Jahre zuvor – auch wieder mehr als sehen lassen. Am Samstag knackte das Rock-Dein-Leben Festival damit sogar die 10.000er-Besuchermarke.

Das ist alles nur geklaut

Der Donnerstag stand unter dem Motto „Cover- und Tribute-Bands“. In diesem Jahr wurde das Festival von einem Moderatoren-Duo begleitet. Rock-Dein-Leben konnten sich zwar Mark Forster und Lena Meyer-Landrut nicht im Original leisten, aber Jean.Luc Frontmann Hansi und Janina gaben hervorragende Doppelgänger ab. Souverän und immer mit einem witzigen Spruch auf den Lippen unterhielten sie das Publikum in einigen der Umbaupausen. Da Mandowar aus persönlichen Gründen an diesem Tag nicht auf dem RDL spielen konnten, durften alle anderen Band kurzerhand einfach einige Songs mehr spielen.

Dirndl-Rock Partywahnsinn lieferten die Albkracher und eröffneten das diesjährige Rock-Dein-Leben. Zu meiner Überraschung steppte vor der Bühne schon so „früh“ am Tag ordentlich der Bär. Mit Polonaise und lautem Gesang standen die Sterne für ein überragendes Festival schon zu diesem Zeitpunkt mehr als gut

Bock auf Party, Party?

Die Golden Glitter Band machte ihrem Namen alle Ehre. Mit Glitzer-Fummeln bekleidet und voluminösen Perücken versprühten sie gehörig Disco-Fever. Wer glaubt, dass eingefleischte Rockfans dabei nur grimmig aus der Wäsche schauen, hat sich gewaltig geirrt. Laichingen hatte offensichtlich Bock auf Party, Party!

Die erste Band des Tages mit deutschsprachigem Rock war Heldenfeuer und sie spielten eine bunte Mischung aus Hits unserer bekannten Lieblings-Bands.

Emotional wurde es bei der Linkin Park Tribute Band Living Theory. Nach dem Tod von Chester Bennington bekommen die Songs von Linkin Park für viele Fans nochmal eine ganz besondere Bedeutung. Bands wie Living Theory, die eine qualitativ wirklich starke Performance zeigen, sind deshalb gefragter denn je. Als kleines Highlight überraschte Moderator Hansi das Publikum beim Song „In the End“ mit einer Gesangseinlage.

Den Abschluss des Tages machten Stainless Steel mit Vollgas Böhse Onkelz Cover. Auf dem proppen vollen Gelände herrschte ausgelassene Stimmung trotz inzwischen frostiger Temperaturen.

Der Tag danach

Der zweite Tag startete für manche auf dem Campingplatz bereits vor der Öffnung des Geländes mit Live-Musik. Die Schwaben von Willkuer ließen es sich nicht nehmen, unmittelbar vor der eigenen Haustüre mit den Akustikinstrumenten über den Campground zu ziehen. Bestens gelaunt zog die Karawane über den Platz und sorgte für gute Laune bei den Besuchern. 

Um 14 Uhr öffnete sich das Bühnengelände. Bevor Harzinfarkt dann den zweiten Tag offiziell eröffnete, begrüßte das Moderatorenduo alias Mark (Hansi von Jean.Luc) und Lena (Janina Rais) die feierwütige Gesellschaft. Nach bestem Coverrock von Rocksucht und dem Auftritt von Schlussakkord machten sich Willkuer dann für den siebten Auftritt ihrer „Tour Laichingen“ bereit und ein Blick aufs Gelände macht deutlich, dass die Campingplatz Runde sich ausgezahlt hatte.

Auf der nebenstehenden Bühne machten sich Black and Demand bereits bereit und übernahmen die gute Stimmung direkt. Eizbrand holte sich dann am frühen Abend wieder für einen Song Unterstützung von ihrem Lieblings-Hansi von Jean.Luc an der Gitarre, das Gelände füllte sich immer weiter. 

18:40 Uhr – Zeit für Artefuckt. Während die Artefuckt Supporters vor der Bühne für grandiose Stimmung sorgten, war auch hier der Band deutlich die Lust und der Spaß auf der Bühne anzusehen. Kleine Fans kamen hier auch nicht zu kurz und so durfte Max kurzerhand Bühnenluft schnuppern, einmal von der Bühne grüßen und seine Stars umarmen.  

Mit den Augen gucken und im Herzen speichern 

Weiter ging es dann mit dem ersten Headliner des Tages. Alexander „Alexx“ Wesselsky betrat mit seinen Bandkollegen von Eisbrecher die Bühne und gemeinsam ließen die Oberbayern kaum Zeit um zu verschnaufen. Alexx lobte es, dass er recht wenig Handys sah und war davon wirklich begeistert. Es gibt sie noch: Die Menschen, die mit den Augen gucken und alles im Herzen speichern anstatt auf dem Handyspeicher. 

Der zweite Headliner stand bereits in den Startlöchern und nach einer kleinen Pause traten die Franken von J.B.O. auf der Bühne. Nachdem es 2019 bei ihrem Auftritt so heftig regnete, dass die Bühne unter Wasser stand, musste der Auftritt damals abgebrochen werden – als Entschuldigung durften sie also nochmal kommen und genossen das in vollen Zügen.  

Last but not least: Unantastbar. Bei kalten 8 Grad eroberten die Südtiroler die Bühne und spätestens bei „Das Stadion brennt“ wurde dem Publikum durch die vielen Bengalos dann auch wirklich warm. 

Träume nicht dein Leben – Rock-Dein-Leben 

Weiter ging es am Samstag mit der Stadtkapelle Laichingen und einem Weißwurstfrühstück, bevor der Dosentierwettbewerb startete. Den Sieg für das kreativste Dosentier holte sich eine kleine Spinne bestehend aus 0,04 Pfanddosen. Der Gewinn aus dem Dosentierwettbewerb wird gespendet. Im Anschluss folgten dann Die Taucher und der Wettbewerb für das Titelcover des Toprocker Magazins.

Dabei stieß der Wettbewerb nicht nur auf Wohlwollen im Publikum. Für einige Besucher stellte sich die Frage, ob das Rock-Dein-Leben Festival, was bekanntermaßen für Toleranz und Gleichberechtigung steht, tatsächlich solch einem Wettbewerb eine Plattform geben sollte, bei dem Frauen auf Motorräder gesetzt werden und dann mittels Applauses eine Wertung ihrer optischen Vorzüge ermittelt wird. Unsere Rockszene hat 2022 sicher modernere Denkweisen als das.

Kinnladen nach unten

Und dann – ohne Vorwarnung – zündeten Silenzer plötzlich ein wahres Inferno auf der Bühne. Haare flogen, der Sound bretterte knüppelhart aus den Boxen und die Bandmitglieder überschlugen sich bei ihrer Performance beinahe auf der Bühne. Man wusste gar nicht genau, wo man als erstes hinschauen sollte. So eine unfassbare Bühnenpräsenz habe ich selten erlebt. Für mich waren Silenzer die Überraschung des Festivals und ein Grund mehr, mir das Ganze nochmal auf der Tour von Stunde Null genauer anzuschauen.

Pure Willkuer

Charly Feelgood heizte ab 15:30 Uhr dann auf der Hangar Stage ein. Pünktlich wie die Maurer, wie wir es von vorbildlichen Württembergern gewohnt sind, standen die Jungs von Willkuer zum wiederholten Male auf der Bühne. Stunde Null mussten ihren lang ersehnten Auftritt absagen. Wir wünschen an dieser Stelle gute Besserung. Spielten Willkuer schon am Vortag und auf dem Campground, boten sie einen gleichwertigen Ersatz für Stunde Null. Den vornehmlich weiblichen Fans, die die ersten Reihen vor der Bühne im Beschlag nahmen, störte das keinesfalls. Auch die männliche Fangemeinde war von dem wiederholten Auftritt voll und ganz überzeugt. Willkuer scheinen ihrer Bühnenpräsenz und ihren Liedern nie überdrüssig zu werden. Absolute Spielfreude und Interaktion mit den Fans zeugten von purer Leidenschaft während des Auftritts. 

S.I.K. – ordentlich Punk  

In den 1990-igern gegründet, haben die Herren schon so einiges erlebt. Auch dass sie schon von Veranstaltungen ausgeladen wurden, weil sie einer musikalischen Grauzone angehören. Echt jetzt? Nicht so beim Rock-Dein-Leben. Da gab Veranstalter Andy Kamm eine kurze Einlage an den Drums, der guten alten Zeiten willen, in denen er fester Bestandteil der Band war. Nun gut. S.I.K. habe ich schon mal gehört, aber nie bewusst wahrgenommen, geschweige denn live erlebt. Das hatte sich also dann schon mal geändert. Das Eis brach bei mir, als “Liebeslied” der Toten Hosen zum Besten gegeben wurde. Schwupps, begeistert. Pogo Tänze, Stimmung und professionelle Darbietung der Deutschpunker überzeugten auf ganzer Linie. Bitte nächstes Mal wieder. 

Local “Fucking” Bastards – kamen gleich zur Sache 

Da hatten wir es. Mein persönliches Highlight des Tages: Local Bastards. Die Frankfurter knallten nach ihrem kurzen Intro so dermaßen durch, dass ich meinen Drang aufs Klo zu gehen locker unterdrücken konnte. Viel Show oder Aufmachung brauchten die Bastarde nicht. Das hatten sie auch nicht nötig. Ihre Musik hatte auch von der Bühne aus herab fast noch mehr Wirkung auf die Fans wie aus der Dose. Wie bei allen Bands wurden Zugabe-Rufe komplett ignoriert. Gerne hätten wir noch mehr von Bastarden gehört, aber der Zeitplan war streng getaktet.

BRDIGUNG – mit Kaugummi im Mund und viel Smalltalk auf der Bühne 

Die Punkrocker von BRDIGUNG, die sich in fast allen ihren Liedern über etwas aufregen und sich beschweren, hatten leichtes Spiel. Wurde doch ihre ZEIG DICH Tour etliche Male verschoben, waren die Fans nun ziemlich steil drauf, die Pöbler wieder live zu erleben. Geboten haben uns BRDIGUNG eine abwechslungsreiche Auswahl an Songs ihrer letzten Alben. Sänger und Leadgitarrist Julian gelang es trotz Kaugummi im Mund, seine Texte fehlerfrei und ab und zu musikalisch vom Original abweichend stimmlich rüberzubringen. Die vorhandene Menschenmasse bei ihrem Auftritt machte ordentlich Stimmung und genoss die überflüssigen Gespräche der Bandmember zwischen den Songs. Von mir aus gerne das nächste Mal weniger Gelaber, dafür zwei oder drei Titel mehr.  

Kissin´ Dynamite – es muss nicht immer Deutschrock sein 

Ebenfalls Heimspiel hatten Kissin´ Dynamite, die mit ihrem aktuellen Album auf Platz 2 der deutschen Charts eingestiegen sind. Ohne zu schwächeln ging es bei den Männern von der ersten bis zur letzten Minute wirklich ab. Purer Stadion – Hair – Glamour Heavy Rock `N` Roll – Metal, dem man nicht entfliehen konnte. Das lag nicht mal unbedingt an Sänger Hannes, klar, an ihm auch, aber Ande, Jim, Steffen und Sebastian hatten an den Instrumenten bewiesen, dass sie es draufhaben. Der schönste und interessanteste Moment bei ihrem Auftritt war die Präsentation von “I will be King”. Mit rotem Umhang auf dem Thron sitzend, gab Hannes den Freddy Mercury, ohne dabei peinlich zu wirken. Hut ab dafür. Wenn ich für diesen Auftritt Sterne vergeben dürfte, dann 4,5 von 5. 

Einsatz verpasst, Textpatzer, technische Probleme und endlich Regen – Frei.Wild 

Ganz klar, dass sich während des Auftritts von Kissin´ Dynamite, der Platz vor der benachbarten Bühne so langsam füllte und sich die Festivalbesucher ihre Plätze sicherten. Headliner Frei.Wild stand auf der Agenda. Anfänglich schien Philipp noch etwas eingerostet. Textpatzer, Einsatz verpasst, kurz mal verspielt. Nun ja, es war nun mal live. Für die Fans und auch für die Band kein Problem und auch kein Grund mit runtergefahrener Energie und Elan ihre Playlist raus zu kloppen. Im Gegenteil. Als wir dann noch die Revanche für Natz bekamen, wo es beim Alpen Flair mal nicht bei Frei.Wild regnete, wurden die Besucher 20 Minuten lang von Regen berieselt. Das war dann wohl Karma. Dies sorgte dann auch noch für technische Probleme an der Gitarre. So, jetzt reichte es dann aber mit Patzern. Obwohl, die Mikrofone von Jonas und Zegga hätten gerne etwas lauter gestellt werden können. Die Fans brachten leider nicht die entsprechenden Textzeilen laut genug zum Ausdruck. Das kümmerte aber niemanden, denn Frei.Wild hatte dankenswerter Weise die Playlist zum größten Teil auf vor RIVALEN UND REBELLEN ausgelegt. Ein Glück für die Fans der fast alten Zeiten. 

Fahnenmeer und schöne Worte von Philipp 

Zur Halbzeit wurden dann die Fahnen ausgepackt. Mit dabei auch ein paar überdimensionale Flaggen der FWSC Regionen. Philipp nahm sich Zeit und sprach ein paar dankbare Worte dem FWSC aus. Auch sagte er, etwas nachdenklicher darüber, dass die Band Frei.Wild zukünftig intensiver mit dem FWSC zusammenarbeiten möchte. Trotz aller aufgetretenen Situationen hatte die Band diesen Auftritt professionell und grandios gemeistert. Vieles an älterem Songmaterial machte abermals ein Frei.Wild Konzert zu einem Erlebnis. Frei.Wild ist eben nicht nur eine Band, es ist vielmehr eine Institution.  

Danke Rock-Dein-Leben

Wir sagen Dankeschön und nicht etwa für 40 Jahre die Flippers! Unser Dank geht an die großartige Rock-Dein-Leben Crew, die geilen Leute vor der Bühne und die spannende Mischung an Bands, die dieses Jahr wieder für ein Feuerwerk der Emotionen gesorgt haben. Wir freuen uns schon auf RDL 2023 am 27.07. – 29.07.2023.

 

Alle Fotos vom Wochenende bekommt ihr hier:

Rock-Dein-Leben 2022 – Galerie

Autoren: Nicole Scherer, Jörg Hentzgen, Lisa Berg

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