Brightside – vergessen und verstaubt – nicht mit uns!
Sie galt als Vorzeige-Band für den deutschen Euro (Hard)core: Brightside. Ihr Album TRUE FORCE feiert heuer 25 Jahre und wird heute dafür in dieser Rubrik geehrt. Die Hardcore Szene war in den 2000er auf ihrem damaligen Zenit. Und Brightside gehörte zu den Besten. Ihr Sänger Dennis war von 2015 bis 2021 Sänger der hoch gelobten RYKER´S. Beide Bands gehörten zur legendären Hardcore Kassel Crew. Nachdem sich die RYKER´S 2000 das erste Mal auflöste und MIOZÄN endgültig alles an den Nagel hing, ruhte die Hoffnung auf dem vierten, 2001 veröffentlichtem Album TRUE FORCE. Es sollte international zeigen, dass deutscher Hardcore ernst zu nehmen ist.

Mehr Pomade als Elvis
Erste Tracks vom Album knüppeln standesgemäß drauf los und können als Abklatsch der beiden Vorgänger gelten. Können! Mit Brightside verhält es sich, wie mit vielen anderen Bands. Sie alle produzierten Alben, die gleich klangen, dennoch unverkennbar und abwechslungsreich waren. Beispiele gefällig? The Offspring, NOFX, Hatebreed, Blood for Blood, AC/DC und Bad Religion. Wunderlich fand ich ebenfalls, dass die Band immer wieder mit den RYKER`S verglichen wurde. Blödsinn. Auf TRUE FORCE klingt alles viel runder und sauberer als auf jedem Album der Kollegen. Das Teil hat viel mehr Rock ‘n’ Roll in der Rille, als Elvis damals Pomade in seinen Haaren. Das Sahnehäubchen mit der Cocktailkirsche sind dabei die Chorusse jedes einzelnen Songs. Diese sind definitiv immer mitgröhltauglich und versprühen einen wahren Spirit of Hardcore.
Definitiv Oldschool Hardcore

Das Intro zu „Our Spirit Remains” machte es deutlich, worum es geht: „this is truly old-school, definitly old-school!“ Es ist einmal mehr ein Song, der die D.I.Y. Mentalität, den Stolz, die Verbundenheit und die Ehrlichkeit der Szene musikalisch darbietet. Oft besungen, später selten geglaubt und manchmal waren wir derer Worte überdrüssig. Doch zum Release 2001, mit unseren knappen 24 Jahren, hat uns das dermaßen abgeholt, dass wir Feuer und Flamme waren. In ähnliche Fußstapfen tritt „Selfmade Credibility“. Mit Tempowechseln und gewohnt aggressivem, dennoch klarem Gesang, leistet die Band überzeugend Kritik gegenüber der Gesellschaft und ihren Mitgliedern. Frustration, Resignation und gekünstelte Werte jedes Einzelnen werden thematisiert und sind in auch nach 25 Jahren aktueller denn je.
Rockabilly Hardcore

Mit dem dritten Song beweisen wir nun das erste Mal unsere These der Pomade. Nehmt den Volbeat Rhythmus, legt etwas TERROR drüber und genießt. Der perfekte Song, um Freitagabend ins Wochenende zu starten. In hoher Schlagzahl, mit mächtig Bass und AK47 geballertem Gesang geht es weiter mit dem Titeltrack „True Force“. Brightside’s Hymne auf die Szene. Wer das schon einmal erleben durfte, Glückwunsch: One, two, three, four HARDCORE! A Chosen Few, My Life, my Family. In „The Youth of Today” gibt es Beweis Nummer Zwei für unsere These. Da willst du dir am liebsten gleich eine Tanzpartnerin suchen und den Petticoat schwingen lassen. Und das macht hier auf sarkastische Art und Weise auch Sinn. Denn Beschwerden gibt es über die neue Szene und die Jugend von heute, die ja jetzt die Jugend von gestern ist. Beklagt wird sich über Szene Modeerscheinungen, die vermeintlich als cool gelten und im Mix miteinander lächerlich wirken. Bleib du selbst und fertig! Während „It´s up to you“ dir wieder einen Arschtritt gibt, um klarzukommen, knüppelt mit 53 Sekunden „Shut your Face“ brachial drauf los und endet, wie es begonnen hat.
Achtung! Mode-Polizei

In „Anger 2001“ wird fortgeführt, was in „Youth of Today” begonnen hatte. Auf die Punkrock Mode-Narren-Polizei wird knüppeldick, klar und deutlich in Gesang und kurz gesprochenen Textpassagen geschissen. Ein bisschen abgekupfert klingt die Headline schon nach der 1994er Ausgabe von DOWNSET!? Das Tanzbein darf mit „You´ll Never Know“ wieder geschwungen werden. Der Track brilliert von Anfang bis Ende mit durchgängigem Rhythmus, der jeden Irokesenträger ein Lächeln ins Gesicht zimmert. Getoppt wird das Ganze mit starken Chören und wundervoll motivierenden Oh, oh, oh Sing-alongs. Sind andere Hardcore Alben schon längst durch und haben jegliches Feuer verschossen, legt Brightside nochmal richtig los. Dabei wird systematisch die Hardcorekeule geschwungen, was bei „Out of Reach“ einmal mehr perfekt funktioniert. Intro, Song, Refrain, Chorus! Und vollends außergewöhnlich der inoffizielle Rausschmeißer „Just a Few“. Hier wurden, so unser Empfinden, Gastsänger hinzugezogen. Laut Booklet könnte dies unter anderem Kid-D gewesen sein. Der ehemalige und wieder neu eingesetzte Sänger der RYKER´S.
Hiddentrack und Fazit
In einem unserer Berichte hatten wir Brightside schon einmal erwähnt. Das Thema war die besten Coversongs. Und da haben die Kasseler Jungs mächtig abgeliefert. Wartet im letzten Track bis (oder spult vor auf) Minute 25:58. Dann bekommt ihr „Nice Boys, don´t play Rock `n`Roll“ von Rose Tattoo ins Hirn gefeuert. Der finale Beweis für unsere These. Brightside mit TRUE FORCE ist definitiv das beste deutsche Hardcore Album in unserem Regal. Die Abwechslung ist unschlagbar, der Baseballknüppel Sound ein Traum, dass damit versprühte Spirit eine emotionale Reise und die Erinnerung an die 2000er damit unvergessen.
5 von 5
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Crew | Redakteur
Mit Baujahr 1976 nicht mehr so ganz jung, bin ich im Herzen der Republik, in Anhalt aufgewachsen.
Mit 19 Jahren zog es mich nach Baden-Württemberg. Aufgewachsen mit Heavy Metal à la Metallica, Slayer und Kreator etc., pubertierte ich mit dem Punk, bis ich dann mit dem New York Hardcore erwachsen wurde. Es gilt: Ob Metal oder Punk, in deutsch oder englisch, Hauptsache mir gefällt´s.






