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9. November 1989 – Der Tag, der mein Leben veränderte

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Wenn ich auf meine Kindheit in der DDR zurückblicke, schießen mir 1.000 Erinnerungen in den Kopf. Zweifelsohne hatte ich eine wunderschöne Kindheit mit Allem, was ein Kind zum glücklich sein braucht. Okay, wir hatten vielleicht kein Telefon und auch keine Bananen, konnten nicht die Welt bereisen, aber die wirklich wichtigen Dinge, wie Familie, Freunde, Frohsinn und Unbekümmertheit erlebten wir dafür umso intensiver. Wir freuten uns über die kleinen Dinge des Lebens, spielten bis zur Dämmerung draußen mit anderen Kindern und fuhren mit unseren Eltern zwei Mal im Jahr in den Urlaub in eine Ferienanlage der volkseigenen Betriebe. Wir fühlten uns frei, obwohl wir es nicht waren.

Veränderungen und Unruhen

Die Veränderungen und Unruhen im Land gingen an keinem vorüber. Obwohl ich zu dem Zeitpunkt erst 13 Jahre alt war, spürte ich genau, dass irgendwas passierte. Natürlich konnte ich nicht ansatzweise erahnen, was in den kommenden Monaten auf uns einbrechen wird.

Die Grenzen sind offen!

Es war am frühen Abend des 09. November 1989. Meine Mutter und ich saßen in der Küche und gingen meine Hausaufgaben durch. Plötzlich stürmte mein Vater in den Raum und sagte völlig aufgelöst die lebensverändernden Worte: „Die Grenzen sind offen!“. Nach minutenlangem Schweigen beschlossen meine Eltern kurzum „Wir fahren rüber“. Natürlich wollte ich unbedingt mitfahren, doch meine Eltern sagten, das ginge nicht, da ich am nächsten Tag in die Schule müsse. Letztendlich konnte ich sie doch davon überzeugen, mich mitzunehmen. Als kleine Randinformation: Die Schule fiel aus, weil die meisten Lehrer auch in den Westen fuhren.

Aufregung, Vorfreude und Angst

Gegen 21:00 Uhr starteten wir mit unserem Trabbi zu der Fahrt unseres Lebens. Das Gefühl, was mich in diesem Moment überkam, kann ich nicht in Worte fassen. Es war eine Mischung aus Aufregung, Vorfreude, aber auch Angst, denn niemand wusste, was uns wirklich an der Grenze erwartete. Da ich aus dem nord-westlichen Thüringen stamme, war die Fahrt bis zur BRD nicht weit, nach knapp einer Stunde waren wir am Ziel und reiten uns wenige Kilometer vor dem Grenzübergang in eine schier unendlich lange Schlange von Trabanten, Lada´s und Wartburg´s ein. Es ging überraschend zügig voran und nach wenigen Stunden war das Ziel vor Augen. Wir standen vor einem offiziellen Grenzübergang von BRD und DDR, der Schlagbaum war offen, die Grenzsoldaten winkten uns einfach durch und auf der anderen Seite der Grenze standen unzählige Menschen, die uns begrüßten. Nun war es tatsächlich geschehen, wir passierten die Grenze und ich war im Westen. Von nun an sollte mein Leben einen völlig anderen Verlauf nehmen.

Puhdys, Karat & Co

Eine der stärksten Erinnerungen an die DDR, die ich bis heute in meinem Herzen trage, ist die Musik. In der ehemaligen DDR gab es eine Vielzahl großartiger Musiker, die oftmals weit über die Mauern der DDR bekannt waren.

Eine Band, die jedem „Ossi“ ein Begriff sein sollte, sind die Puhdys. In 1969 gegründet zählen sie zu den erfolgreichsten Rockbands der DDR. Erst 2016 gaben sie ihr letztes Konzert. Unglaubliche 40 Alben veröffentlichte die Band im Laufe der Jahre, wovon knapp die Hälfte einen Platz in den Charts erreichte. Zu ihren bekanntesten Songs gehören „Alt wie ein Baum“ oder „Wenn Träume sterben“.

1975 war das Gründungsjahr einer weiteren sehr erfolgreichen Rockband der DDR. Aus Ostberlin stammend wollten Karat publikumswirksame, aber trotzdem anspruchsvolle Musik machen. Das gelang ihnen, denn Karat stehen bis heute auf der Bühne. Der wohl bekannteste Titel ist „Über sieben Brücken musst du geh´n“.

Ein weiterer Vertreter der ostdeutschen Musikgeschichte ist die Leipziger Band Karussell. Seit 1976 im Geschäft wurde die Band mit ihren Titeln „Ehrlich will ich bleiben“, „Wer die Rose ehrt“ bekannt. Allem voraus aber mit „Als ich fortging“, der auch heute noch von vielen Radiostationen gespielt wird. Seit 1994 gehen die Bandmitglieder getrennte Wege.

City ist auch eine ostdeutsche Musikgruppe, die 1972 in Ostberlin gegründet wurde und erlangte ihren Durchbruch mit dem Titel „Am Fenster“. Die Band veröffentlichte 15 Alben, das letzte 2019 CANDLELIGHT SPEKTAKEL-LIVE IN SACHSEN.

Ich hoffe ich konnte euch auf meine kleine Zeitreise mitnehmen und auch euch dazu bringen ein Stück weit an die „gute, alte“ Zeit zurückzudenken.

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